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Rostock Präsident Laum tritt umjubelt ab

Von NICP | 23.08.2018, 21:00 Uhr

150 Gäste verabschieden den Polizeichef im Marinestützpunkt Hohe Düne in den Ruhestand. Seine Nachfolge ist noch relativ offen.

Seine Hände umklammern das Pult, er blickt auf Reihen voller alter Kollegen, Freunde, Familie, atmet tief durch. Mehr als eine Stunde hat Thomas Laum, scheidender Leiter des Polizeipräsidiums Rostock, Kollegen, Wegbegleiter, Freunde über sich sprechen hören. „So ist das also“, bricht er die Stille, „ich bin extrem tief beeindruckt“. Der 61-Jährige ist am Donnerstag im Marinestützpunkt Hohe Düne mit einem besonders emotionalen Festakt, gespickt von charmanten kleinen Anekdoten, in den Ruhestand verabschiedet worden. „Das machen wir alles für euren Opa, er war ein ganz toller Chef“, wandte sich die Leiterin des Führungsstabes, Anja Hamann, die nun kommissarisch das Präsidium leitet, an Laums Enkeltöchter, die vierjährige Mira und die fünfjährige Lara. Mit ihren Eltern saßen sie in der ersten Reihe. Die rund 150 Gäste aus der Polizei – wie von Seelsorge oder Gewerkschaft – reflektierten Prioritäten von Laum als Präsident: in der Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit, häuslicher Gewalt, sein Streben nach Gerechtigkeit, seine Freundschaften, seine Eigenheiten und seinen Charakter – vom Pfefferminztee bis zum Flambieren von Creme Brulee in der Kantine – sportliche Einsätze wie der gejoggte Arbeitsweg nach Waldeck. Die Redner wetteiferten regelrecht.

Eine Lobhudelei habe er nicht halten wollen, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU), sowas käme doch nicht glaubwürdig rüber, aber Laum ließe ihm keine Wahl. „So etwas wie den perfekten Mann kann es eigentlich nicht geben“, so Caffier. Aber über Laum könne er nur Gutes sagen. Er sei kompetent, erfahren, geradlinig und harmonieliebend. „Du bist in vielerlei Hinsicht groß“, richtete sich Klaus-Walter Müller, leitender Oberstaatsanwalt in Schwerin, an Laum. Der zeige Verantwortung für die innere Sicherheit. „Du hast deine Spuren hinterlassen“, so Marion Rauchert, Leiterin der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und eine Freundin. Michael Ebert, Leiter der Polizeiinspektion Rostock, wäre es manches Mal lieber gewesen, dass Laum mit der Faust auf den Tisch haut, erinnerte er sich, statt sie „wie Bären am Nasenring durch die Manege zu führen“, wie er ihm einst unterstellt habe. Heute wisse er gut, was er an Laum habe. Der beweise viel Diplomatie, Geschick. Und er sei auch der nahbare Mensch, den man nach dem Duschen „zwar in Uniform, aber mit Badelatschen über den präsidialen Flur schreiten sah“. „Ich bin dem Schicksal dankbar, dass ich vor 40 Jahren diesen Beruf gewählt habe“, sagte Laum. Er habe ihn mit dem Facettenreichtum des menschlichen Lebens konfrontiert. Er empfinde ein großes Gefühl von Dankbarkeit.

Die Stelle des Polizeipräsidenten wurde in der Landespolizei ausgeschrieben. Zwei Bewerbungen werden geprüft, gehen am Ende ins Kabinett, erklärte Caffier. Laum hinterlasse große Fußstapfen.

Vita: Thomas Laum
• ... wurde 1957 in Bonn geboren, machte sein Abitur • ... begann im Büro beim Bundeskriminalamt, war Terrorfahnder und Sprengstoffermittler • ... wurde 1991 aus dem Rheinland in die Landespolizei versetzt als Leiter der Kriminalpolizeiinspektion • ... arbeitete an den großen Nachwende- wie den Rotlichtfällen der Kempkes-Entführung • wurde 2011 Polizeipräsident, hatte rund 2400 Mitarbeiter