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Nordwesten Problemkids enttäuscht vom Senator

Von CLLA | 31.08.2018, 05:00 Uhr

Steffen Bockhahn in Erklärungsnot – die Lütten Kleiner Jugend wartet auf den von ihm zugesicherten Treffpunkt.

Es ist mehr als nur eine Vorahnung: Als der Jugendhilfeausschuss am Dienstag bilanzierte, dass es in den Rostocker Wallanlagen mittlerweile weniger Probleme mit gewalttätigen Jugendlichen gibt, hat Steffen Bockhahn (Linke) noch gewarnt: Die Teenager seien ja nicht plötzlich weg, sondern sie suchen sich andere Treffpunkte.

Einen der neuen Aufenthaltsorte der Kids hätte der Sozialsenator da aber bereits sicher benennen können. Denn schon am Sonnabend zuvor hatte ihn eine Mail erreicht – vom Sprecher einer Jugendgruppe aus dem Rostocker Nordwesten. Die Mädchen und Jungen haben sich nach der Allende-Klinik Lütten Klein, dem alten Bauhof an der Stadtautobahn und dem Gebäude im Schiffbauerring 20 nun das leerstehende Ex-Revier Blücherstraße als Treff gewählt. Vergangenen Freitag seien sie dort aber von der Polizei erwischt worden.

Das bestätigt Dörte Lembke. „Wir haben bis zu 20 Personen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren angetroffen“, so die Sprecherin der Polizeiinspektion Rostock. Die Personalien der Jugendlichen wurden aufgenommen – sie erwarten jetzt Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Die Teenager bitten nun Bockhahn um Hilfe, hoffen, dass die Anzeigen fallen gelassen werden, denn: „Es wäre alles nicht passiert, wenn wir schon unseren angekündigten neuen Treffpunkt hätten“, heißt es in der Mail. Im Mai hatte der Sozialsenator den Nordwest-Teenies ein Grundstück für einen selbstverwalteten Treff vorgeschlagen – eine Grünfläche hinter dem Mehrgenerationenhaus Lütten Klein, die von der Rügener Straße aus zugänglich gemacht werden soll.

Dass sie den Platz nicht bereits diesen Sommer nutzen konnten, frustriert die Jugendlichen und sei der Grund dafür, dass sie Ausweichflächen suchen. „Der Konflikt mit der Polizei entsteht ja nur dadurch, dass wir sozusagen ,obdachlos’ sind. Und das derzeitige Angebot der jugendgerechten Kommune Rostock spricht uns leider nicht an“, sagt Arian.

Bockhahn verweist darauf, dass es für die Planungen eine Lenkungsgruppe des Sozialraumteams gebe. Der Senator selbst hatte den Jugendlichen im Mai eine Vorbereitungs-Frist von zwei Monaten angekündigt, aber nicht halten können – auch aufgrund der Urlaubszeit. „Seit dieser Woche gibt es einen offiziellen Projektbeschluss und das Vorhaben ist auch mit Trägern und der nötigen Finanzierung unterlegt“, sagte er gestern. Neben der Grundstücksangelegenheit hat Bockhahn die Nordwest-Gruppe und ihre illegalen Treffs noch auch aus einem anderen Grund im Fokus: „Darunter sind Jugendliche, die bei uns in den Angeboten der Hilfe zur Erziehung sind. Das müssen wir aufarbeiten.“