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See und Hafen Prüfung, Heuer und Perspektiven

Von RFRA | 25.07.2018, 08:00 Uhr

So ergeht es dem Seeleute-Nachwuchs im Examen. Vertreter von Laeisz sind erfolgreich dabei. Deutsche Flotte schrumpft weiter.

In der AFZ-Schifffahrtsschule in Rostock-Marienehe herrschte vorige Woche wieder Prüfungsstress. Seemännischer Nachwuchs hatte zu beweisen, was in der Ausbildung zum Schiffsmechaniker gelernt worden war. 31 Azubis steuerten den Abschluss ihrer Lehre an, für vier weitere Auszubildende waren es Zwischenprüfungen. Für eine Auszeichnung, die bei besonders guten Leistungen von der Berufsbildungsstelle für Seefahrt im Examen vergeben wird, fehlte einem der Nachwuchskader lediglich ein Punkt, berichtet Fred Schmeißer, Vorsitzender der Prüfungskommission. Insgesamt konnten die 14 Prüfer gute bis befriedigende Ergebnisse registrieren. Das betraf sowohl die schriftliche Kenntnisprüfung als auch den Nachweis der praktischen Fertigkeiten – sei es in der Metallwerkstatt, an der Maschine und bei den Aufgaben für Rettung und Brandabwehr. Dabei dankte Schmeißer der Crew des Ölbekämpfungsschiffs „Vilm“ von Bitunamel Feldmann, die ihre Anlagen als Prüfungsbasis zur Verfügung stellte.

28 Zeugnisse für einen erfolgreichen Abschluss konnte Fred Schmeißer aber am Ende nur unterschreiben. Drei Leute hatten nicht bestanden und müssen im November noch einmal antreten. Zudem erfüllte auch ein Wiederholer erneut nicht die nötigen Voraussetzungen für den Beruf. Erstmals in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, so Schmeißer, habe er einem Prüfling sagen müssen, dass er für den Beruf nicht geeignet sei. Das Gros der Azubis aber hatte Grund zur Freude. So auch jene, die in heimischen Reedereien wie Laeisz und TT-Line oder im Wasser- und Schifffahrtsamt ihre Lehre absolvierten. Neben zwei Jungens von Laeisz war mit Antje Ahlhorn auch eine Azubine dieses Rostocker Unternehmens erfolgreich dabei. Von den drei frisch gebackenen Schiffsmechanikern werden die beiden Jungens am 1. August auf der „Polarstern“ einsteigen, ehe sie, wie auch ihre Mitstreiterin, dann im September ihr Studium in Warnemünde aufnehmen, berichtet Laeisz-Geschäftsführer Roland Pallutz. Die meisten Absolventen steuern im Studium die Vervollkommnung ihrer seemännischen Ausbildung an, sehen danach ihre Zukunft als Nautischer beziehungsweise Technischer Offizier oder in einer maritimen Tätigkeit an Land. Einige wollten zunächst nur den Berufsabschluss und einer sieht seine Perspektive auch nicht auf See, sondern als Pferdewirt, hat Hafenkapitän Gisbert Ruhnke am Rande der Prüfungen erfahren.

Seefahrt ist für so manchen eben nicht mehr attraktiv. Die deutsche Flotte schrumpft weiter. Gab es einst über 4000 Schiffe unter deutschem Management, so ist es heute kaum mehr als die Hälfte. Unter deutscher Flagge sind nur noch 309 Schiffe in Fahrt und davon nur noch 169 Frachtschiffe im internationalen Schiffsregister.

Die Lage in der Seeschifffahrt ist trotz leichter Verbesserungen in einigen Bereichen weiterhin gespannt. So konnten bei den Heuertarifverhandlungen zum HTV See die Forderungen nicht zu hoch geschraubt werden, erklärt Peter Geitmann, Verhandlungsführer von der Gewerkschaft Verdi. Ab 1. September 2018, so das Ergebnis nach langwierigen Verhandlungen mit dem Verband Deutscher Reeder (VDR), werden alle Gehaltstabellen, inklusive der Sachbezugswerte um 1,8 Prozent angezogen und die Bezüge nach Tabelle A 2 um 2,1 Prozent erhöht. Ab Jahresbeginn 2020 erfolge dann eine weitere lineare Erhöhung um 1,5 beziehungsweise um 1,8 Prozent. Das Bestreben des VDR, die Leistungen für Junior-Offiziere abzusenken, wurde zurückgewiesen.

Für die Reederei Bugsier, inzwischen von Fairplay übernommen, wurde in einer gesonderten Vereinbarung der Besitzstand aller hier derzeit Beschäftigten gesichert. Für Neueingestellte und Ummusterungen in eine höhere Dienststellung komme der HTV See, Tabelle 2 in der aktuellen Fassung zur Anwendung, erklärt der Gewerkschafter. Betriebsbedingte Kündigungen soll es laut Vereinbarung bis Ende 2022 nicht geben.

Auch zum Haustarif der Reederei F. Laeisz gab es Heuertarifverhandlungen. Dabei einigten sich die Tarifparteien auf eine Erhöhung der Bezüge ab 1. November 2018 um zwei und ab Januar 2020 noch einmal um 1,5 Prozent. Bis Ende Juli läuft hier aber noch eine Erklärungsfrist. Dieser Haustarif orientiert sich somit am Flächentarifvertrag der deutschen Seeschifffahrt, liege aber noch um rund fünf Prozent darunter, konstatiert Geitmann. Und für die Landbeschäftigten sei hier die letzten zehn Jahre nichts passiert, merkt er an.

Bei der heimischen Reederei sind in der geschrumpften Flotte (zuletzt wurden hier etwa 30 Schiffe bereedert, davon elf unter deutscher Flagge) noch 180 deutsche Seeleute beschäftigt, einst waren es 400. Auch die Zahl der hier beschäftigten Ausländer sank von 1100 auf 800.

Das Ausschreibungsverfahren für den Bau der „Polarstern II“ hat sich übrigens weiter verzögert. Im Moment werden die finalen Angebote der Werften gesichtet, berichtet Roland Pallutz. Bei ihrer Suche nach Schiffsmechaniker-Nachwuchs, den sie auf der „Polarstern" benötigt, ist das heimische Unternehmen inzwischen fündig geworden. Das laufe wie geplant, kann der Laeisz-Manager berichten.