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Rostocker Innenstadt Rechtsstreit um Ex-Leiser-Schuhhaus hält weiter an

Von Aline Farbacher | 08.11.2020, 20:00 Uhr

Zwei Prozesse laufen zwischen Eigentümer und Ostseesparkasse. Trotz Baugenehmigung bleibt das Gebäude ein Schandfleck.

Alte Werbeplakate blättern von der Holzverkleidung, die die Scheiben verrammelt, hier und da hat sich ein Schmierfink verewigt und die Eingangstür bleibt schon lange geschlossen. Nach gut drei Jahren Leerstand ist fast vergessen, dass in der Immobilie in der Kröpeliner Straße 64 in der Rostocker Innenstadt Schuhe einen neuen Besitzer fanden. Wegen zwei derzeit laufender Gerichtsverfahren verkommt das ehemalige Kaufhaus in der weiter.

Baugenehmigung brachte nicht gewünschten Effekt

"Mittlerweile haben wir eine Baugenehmigung für das Gebäude zur Nutzung als Bank", teilte ein Vertreter des Eigentümers Joachim Hoepp, Gründer und Inhaber der Firma Nanu-Nana auf Anfrage mit. Dennoch befinden sich Hoepp und die Rostocker Ostseesparkasse (Ospa) als ehemalige Mieterin im Rechtsstreit. Erst im März hatte Hoepps Vertreter einen Bauantrag bei der Stadt Rostock gestellt. Dieser sah vor, das Ex-Leiser-Schuhhaus nicht weiter für den Einzelhandel, sondern als Bankfiliale zu nutzen.

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"Der Bauantrag wurde am 13. Mai genehmigt", teilte Stadtsprecher Ulrich Kunze auf Anfrage mit. Die Baugenehmigung brachte jedoch nicht den vom Eigentümer gewünschten Effekt. "Das war immer der Knackpunkt, dass die Ospa gesagt hat, sie würde keine Baugenehmigung erhalten", so Hoepps Vertreter. Mit der Baugenehmigung könnte die Ospa aus seiner Sicht nun einziehen.

Doch diese habe kein Interesse an einer Übernahme der Immobilie, teilte Ospa-Sprecher Ronny Susa mit. Denn aufgrund des mangelhaften bautechnischen Zustands des Gebäudes sei allenfalls eine teilweise Nutzung von drei statt der insgesamt sechs Etagen möglich.

Auch über die Kündigung des Mietvertrags wird gestritten

Hoepps Vertreter versicherte jedoch: "Bauliche Mängel hätten wir doch beseitigt, wenn es wirklich welche gegeben hätte." Die Frage, ob das Gebäude baufällig ist, soll in einem Nachverfahren geklärt werden, dessen nächster Termin am Landgericht Rostock auf Mitte Dezember terminiert sei.

Zudem liegen die beiden Parteien weiterhin im Clinch über den einseitig von der Ospa gekündigten Mietvertrag. Laut Susa habe das Rostocker Landgericht die ordentliche Kündigung im März 2019 bestätigt. Das von Hoepp daraufhin angestrebte Berufungsverfahren laufe derzeit am Oberlandesgericht Rostock, so sein Vertreter. Letzte Vergleichsgespräche im September 2019 waren ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

Weitere Interessenten für das Gebäude gebe es bereits

Der lange Leerstand und der Zustand der Schaufenster würden sich sehr nachteilig auf die Attraktivität der Kröpeliner Straße auswirken, heißt es auf Anfrage aus dem Stadtentwicklungsamt. So würde eine Nachnutzung der wertvollen Fläche des Gebäudes in bester Lage, durch inhabergeführten Einzelhandel oder Gastronomie, zu einer Belebung der Innenstadt beitragen, heißt es weiter.

Eine Neuvermietung würde der anhaltenden Rechtsstreit mit der Ospa jedoch verhindern, so Hoepps Vertreter. Erst wenn der einseitig gekündigte Mietvertrag der Ospa in zwei Jahren auslaufe oder das Berufungsverfahren zu Gunsten der Bank ausfiele, könne neu vermietet werden. Den ein oder anderen Interessenten, gäbe es bereits. "Verkaufen wollen wir die Immobilie aber nicht", betonte er. Wann das ehemaligen Kaufhaus wieder belebt wird, bleibt somit ungewiss.