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Londoner Finanzinvestor will aussteigen Reederei Scandlines steht vor Verkauf

Von dpa/NNN | 28.11.2012, 08:46 Uhr

Die Gerüchte um den Verkauf der Fährreederei Scandlines verdichten sich. Der Londoner Finanzinvestor 3i will seinen Anteil an Scandlines im kommenden Jahr verkaufen, wie aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete.

Die Gerüchte um den Verkauf der Fährreederei Scandlines verdichten sich. Der Londoner Finanzinvestor 3i will seinen 50-Prozent-Anteil an Scandlines im kommenden Jahr verkaufen, wie gestern aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete. Intern werde auf ein Datum etwa im März spekuliert. "Wir sind noch in einem ziemlich frühen Stadium", hieß es aus London. Als Käufer kämen sowohl Finanzinvestoren als auch strategische Investoren in Frage. Mit einem Kaufpreis von rund 1,4 Milliarden Euro könnte 3i "ziemlich gut leben", hieß es.

3i und die deutsche Allianz Capital hatten 2007 zusammen mit der Deutschen Seereederei (DSR) die deutsch-dänische Reederei Scandlines übernommen. Der Kaufpreis lag damals bei 1,56 Milliarden Euro. 2010 hatte sich die DSR von ihrem 20-prozentigen Anteil getrennt, seither besitzen Allianz Capital und 3i jeweils 50 Prozent. Allianz Capital wollte sich gestern auf Anfrage nicht zum möglichen Verkauf der 3i-Anteile äußern, auch vom Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommerns sowie von Scandlines selbst hieß es "kein Kommentar".

Frachtrouten schon im Sommer abgestoßen

Erst diesem Sommer hatte sich Scandlines im Zuge einer Umstrukturierung bereits von seinen Frachtlinien getrennt. Der schwedische Konkurrent Stena-Line kaufte fünf Ostsee-Fährrouten von Scandlines, die Reederei Swedish-Orient-Line übernahm die Verbindung von Rostock ins finnische Hanko. Von dem Verkauf der Frachtrouten waren auch 300 Mitarbeiter betroffen. Betriebsräte befürchteten schon damals eine Zerschlagung des Unternehmens. Sie gaben an, die Gewinne der hoch profitablen Reederei reichten den Finanzinvestoren nicht aus. Diese wollten noch mehr aus Scandlines herausholen. Der Verkauf des Frachtgeschäfts, das ausschließlich von Deutschland aus geführt wird, sei nach früheren Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ein "unsinniges Filetieren" gewesen.

Scandlines betreibt derzeit noch die Verbindungen Puttgarden-Rødby, Rostock-Gedser und Helsingør-Helsingborg. Den Angaben zufolge beschäftigt das Unternehmen in Dänemark und Deutschland rund 1800 Mitarbeiter.