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Rostock Regelt Rostock Adoptionen bald selbst?

Von Torben Hinz | 04.05.2012, 10:37 Uhr

Adoption und Pflege sollen wieder in städtische Hand.

Das fordert die Rostocker Linksfraktion in einem Bürgerschafts-Antrag: "Diese Aufgabe ist zu wichtig, um sie an freie Träger zu vergeben", sagt Steffen Bockhahn, Vorsitzender des Finanzausschusses. Die Vermittlungsstelle entscheide immerhin über nichts weniger als das weitere Leben der Kinder und ihrer Pflegeeltern. Deswegen spricht sich der Politiker dagegen aus, den zum Jahresende auslaufenden Vertrag mit der Caritas zu verlängern.

"Das ist keine Kritik an der bisherigen Arbeit der Vermittler", sagt Bockhahn. Anders als in Hamburg, wo der Tod der elfjährigen Chantal an einer Überdosis Methadon Anfang des Jahres einen gesellschaftlichen Aufschrei auslöste, habe es in Rostock in der Vergangenheit keine Skandale gegeben. Doch ähnlich wie dort sei auch das hiesige Personal stark überlastet. In der gemeinsamen Adoptionsvermittlung der Hansestadt und des Landkreises Rostock arbeiten lediglich zwei Mitarbeiterinnen. "Das ist deutlich zu wenig", sagt Bockhahn. Die Aufgabe setze einfach einen gewissen Personaleinsatz voraus. "Das sind wir den Kindern und den Eltern schuldig", so der Politiker. Die Praxis aber sehe anders aus. So sei etwa die Pflichtschulung für Eltern, die ein Kind adoptieren wollen, komplett an dritte Träger ausgelagert worden.

Der Vermittlungsstelle, die diese Aufgabe früher selbst übernommen hatte, fehle es einfach an Personal. "Die Stadt weiß so nicht einmal mehr, was den Eltern überhaupt beigebracht wird", sagt Bockhahn. Um das zu kontrollieren, müsste sie einen eigenen Vertreter in die Kurse schicken - könnte die Schulung dann aber auch gleich selbst übernehmen. Generell sei die Auswahl möglicher Pflege- und Adoptiveltern diskriminierend, kritisiert Bockhahn. So würden Hartz-IV-Empfänger beispielsweise von vornherein ausgeschlossen, da sie keine gesicherten sozialen Verhältnisse vorweisen könnten. "Das ist eine Sauerei", so Bockhahn. Andere Voraussetzungen wie beispielsweise der Nachweis eines Führungszeugnisses seien hingegen sinnvoll, auch wenn sie sehr papier- und arbeitsintensiv seien. Angesichts der Auswirkungen auf das weitere Schicksal der Betroffenen sei dies aber in jedem Fall gerechtfertigt. Starke Kritik übt Bockhahn dagegen an der Finanzierung der Vermittlungsstelle. Denn die Hauptlast dabei trägt die Hansestadt, die für sämtliche Fixkosten aufkommt. "Der Landkreis zahlt lediglich eine Pauschale für jede Vermittlung, also nur bei Inanspruchnahme", so Bockhahn. Das müsse sich ändern.

Die gemeinsame Einrichtung deswegen komplett aufzugeben, sei aber der falsche Weg. Denn je mehr Bevölkerung betreut werde, desto mehr mögliche Pflege- und Adoptiveltern stünden zur Verfügung. Das komme sowohl diesen als auch den Kindern zugute. Letztere hätten so größere Chancen, passende Eltern zu finden. Und Eltern könnten so eher eine räumliche Trennung sicherstellen, falls die Adoption oder Pflege doch beendet werden muss. "Ich bin ein großer Freund der gemeinsamen Vermittlung", so Bockhahn.