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Rostock Rentner ratlos: 3 600 Euro weg

Von sarm | 09.03.2009, 10:20 Uhr

Vor zwölf Monaten hat Horst Hill aus Evershagen seinen Immobilienfonds bei der Güstrower Grundstücksentwicklungsgesellschaft der Volkssolidarität gekündigt.

In einem Schreiben sicherte die Gesellschaft zu, bis spätestens Februar 2009 rund 3 600 Euro an das Ehepaar auszuschütten. Bislang steht die Zahlung aus.

Der Fonds der Kreisverbände Mecklenburg-Mitte und Rostock Land/ Bad Doberan finanziert soziale Einrichtungen wie Pflegeheime in der Region. "Eine gute Sache", findet Johanna Hill. Die Anzeige der Gesellschaft fand Johanna Hill im Jahr 2000 in einer Zeitschrift der Volkssolidarität. Sie ist langjähriges Mitglied im Sozialverband. Als die Eheleute Hill die Entscheidung für den Fonds trafen, wollten sie sich einen Platz in einem Pflegeheim sichern. "Für die Zeit, wenn einer von uns beiden nicht mehr ist", sagt der 80-Jährige.

5 000 Deutsche Mark legte Horst Hill bei der Güstrower Gesellschaft an. Die Hills hatten jedes Jahr ein bisschen Geld zurückgelegt. Horst Hill kündigte den Fonds im März 2008. "Ich möchte mit dem Geld meinen Enkel unterstützen", sagt Hill. Im April schrieb die Grundstücksentwicklungsgesellschaft: "Es haben uns einige Probleme der Immobilienkrise ereilt, nicht direkt, sondern über Partner." Eingegangene Ratenzahlungen werde das Unternehmen sofort weiterleiten. Laut Bilanz hat das Ehepaar einen Anspruch auf 3 568,17 Euro. Darin enthalten die vertragliche Rendite von fünf Prozent jährlich auf die eingezahlte Summe. Geschäftsführer Ulf Godemann sichert zu: "Wir werden den Fall prüfen."

Volkssolidarität distanziert sich von FondsgesellschaftDer Rostocker Rechtsanwalt Matthias Steinfartz hilft im Auftrag der Verbraucherzentrale geschädigte Kapitalanleger. Er rät dem Renter, den Verkaufsprospekt zu prüfen. "Manche Fonds schreiben lange Kündigungsfristen vor", sagt Steinfartz. Bei der Volkssolidarität regt sich Kritik an der Vorgehensweise des Güstrower Unternehmens. Der Kreisverband sei zwar juristisch selbstständig und frei in seiner Entscheidung., sagte Landesverbandschefin Lieselotte Fiedler. Die Volkssolidarität habe aber nicht die Kernaufgabe, den Bau von Sozialimmobilien über Fondsgesellschaften zu finanzieren. "Das machen Banken", sagt Fiedler.