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Groß Klein Rostock bemüht sich um Ersatz

Von Dana Bethkenhagen | 19.10.2011, 10:06 Uhr

Daran ist nichts mehr zu rütteln: Zum 31.

Dezember schließen die Schwangeren- und die Schuldnerberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Groß Klein. Das teilte der Geschäftsführer Sven Klüsener am Dienstag dem Ortsbeirat Groß Klein mit. Die Stadt habe er bereits im Februar über die Schließungen in Kenntnis gesetzt. Diese sollte sich um Ersatz bemühen, kann bisher jedoch noch keine Erfolge vorweisen. So fallen die Beratungsstellen vorerst ersatzlos weg, bis die Stadt einen neuen Träger findet.

Für die Awo seien die Einrichtungen finanziell einfach nicht mehr tragbar. "Wir wollen mit den Beratungsstellen kein Geld verdienen, aber auch keins verlieren", sagt Klüsener. Die Finanzierung der Beratungsstellen setzen sich aus kommunalen und Landesmittel sowie Awo-Geldern zusammen. Dabei kommt die Awo jeweils für zehn Prozent auf. Das nimmt Klüsener nicht länger hin: "Es ist nicht an der Awo, die finanziellen Defizite der Stadt und des Landes auszugleichen." Bisher habe die Awo jedes Jahr 30 000 Euro in die beiden Beratungsstellen gesteckt. Dieses Geld wurde als Überschuss aus anderen Einrichtungen erwirtschaftet, wie etwa aus Kindertagesstätten und Pflegeheimen.

Warum bisher noch keine neuen Träger gefunden werden konnten, beantwortete Karin Marquardt vom Gesundheitsamt im Ortsbeirat. Die Stadt habe sich zunächst darum bemüht, die Awo als Träger zu halten, nachdem Klüsener über die Schließungspläne informierte. Darum habe sich das Amt nicht gleich darum gekümmert, einen neuen Träger zu finden. Dabei sind die Schwangeren- und Schuldnerberatung vom Land gesetzlich vorgeschrieben. Was die Übernahme von Kosten angeht, stellt Marquardt fest: "Das Land ist in der Pflicht und darum haben wir dort eine Prüfung veranlasst, ob sie künftig nicht den Eigenanteil der Träger übernehmen können." Bisher gibt es noch kein Ergebnis. Die Stadt selbst unterstützt das Angebot für Schwangere mit 10 Prozent, die Schuldnerberatung zu 45 Prozent.

Egal, wie das Land sich entscheidet: Für die Awo kommt es zu spät. Sie hat sich zurückgezogen, und dabei soll es bleiben, wie Klüsener betont. Marquardt verteidigt das Vorgehen der Stadtverwaltung: Die Kommune sei ihrer Pflicht nachgekommen und habe sogar entsprechend ihrer Möglichkeiten die finanziellen Mittel für die Schwangerenberatung aufgestockt. Das habe letztlich jedoch nicht ausgereicht.

Erst als feststand, dass sich die Awo nicht halten lassen würde, hat sich die Stadt um einen neuen Träger bemüht. "Momentan laufen die Gespräche mit einem möglichen neuen Träger", sagt Marquardt. Ob dieser sich tatsächlich verpflichtet, und wenn ja, sogar schon zum 1. Januar 2012 seine Arbeit aufnimmt, ist bisher noch nicht raus. Selbst wenn ein neuer Träger gefunden wird, das Problem bleibt vorerst: Zehn Prozent Eigenanteil müssen vom Anbieter aufgebracht werden.

Der Ortsbeirat Groß Klein möchte sich nun an das Sozialministerium wenden. Denn einen Bedarf für die Beratungsstellen sehen die Mitglieder allemal. Es gebe immer mehr Fälle, in denen Hilfe in Anspruch genommen werde und das über immer länger werdende Zeiträume.