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Rostock Die Lotsen ziehen Bilanz für das Jahr

Von Reiner Frank | 18.12.2019, 10:00 Uhr

Mit insgesamt 6612 Einsätzen und 700 Schiffen weniger, ist die Anzahl rückläufig - Zusatzleistungen sind weggefallen.

Die Küstenfrachter „Pasadena“ und „Sula“ steuern den Rostocker Hafen an, um Rapsschrot beziehungsweise Dünger zu laden. Es folgt „Svenja“, die wieder mit großen Rohren für ein Offshoreprojekt bestückt wird. Und auch „Baltic Bright“ ist mit Papier aus Rauma im Zulauf, wie eine Übersicht auf einem der Monitore im Wachraum der Lotsen in der 4. Etage der Warnemünder Verkehrszentrale zeigt. Neue Technik bestimmt hier die Szenerie und wird dieser Tage voll in Betrieb genommen, wie Lotsenältermann Andreas Krüger (58) berichtet. Und auch ein zweiter Raum wird noch entsprechend ausgerüstet, damit in Spitzenzeiten zwei Leute zugleich die Regie der Lotseneinsätze zwischen Wismar, Rostock und Stralsund vornehmen können.

Der Wachlotse Ralf Reimann stellt die Anlagen vor, die im Zuge der Modernisierung des „Blauen Wunders“ auch die Arbeit der Lotsenstation in der Verkehrszentrale noch effektiver machen dürften.

34 Lotsen zwischen Rostock und Stralsund

Im Büro des Ältermanns zwei Etagen tiefer ziert die Bildergalerie seiner Vorgänger an der Wand jetzt auch das Porträt von Christian Subklew, der Ende vorigen Jahres in den Ruhestand ging. Nach seinem Ausscheiden sind jetzt 34 Lotsen zwischen Wismar und Stralsund tätig. Und ihre Zahl wird sich voraussichtlich aktuell nicht erhöhen, denn das Wachstum vergangener Jahre ist gebremst. Die erbrachten Dienstleistungen für die Schifffahrt sind in diesem Jahr gegenüber 2018 rückläufig, wie die monatliche Statistik veranschaulicht.

Für dieses Jahr stehen im Revier zwischen Wismar und Stralsund insgesamt 6612 Lotsungen zu Buche. Das sind deutlich weniger als im Vorjahr, wo das Ergebnis allerdings durch Zusatzleistungen im Lotsenbezirk Stralsund durch Baggerungen und Leistungen für Nordstream 2 weit über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre lag.

Die Anzahl der Lotsungen sank hier 2019 nach deren Wegfall so fast um die Hälfte und schmälert das Gesamtergebnis. Auch in Mukran und Ueckermünde bekamen die Lotsen weniger zu tun.

Während Wismar nahezu konstant blieb, war selbst in Rostock die Lotsenhilfe weniger gefragt. Mit 3999 Lotsungen ging das Aufkommen hier um fast 700 zurück. Ursachen für den Leistungsabfall in ihrem Haupttätigkeitsfeld sieht der Ältermann unter anderem in weniger Holzschifffahrt, wo die Industrie ihren Bedarf verstärkt aus eigenen Wäldern deckte. Aber auch Gutarten wie Getreide und Kohle gingen zurück und bei den Ro/Ro-Schiffen gab es mehr Freifahrer. Rohölimporte nach Problemen mit der Pipeline und auch die Kreuzfahrt konnten Defizite so nicht voll kompensieren.

Kreuzfahrtsaison war ein Schwerpunkt

Die Kreuzfahrtsaison war aber auch für die Lotsen ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. 196 Kreuzliner waren zu bedienen. Größte Passagierschiffe waren wieder die 330 Meter lange und 44 Meter breite „Regal Princess“ sowie die 325 Meter lange und 53 Meter breite „Norwegian Breakeway“. Bemerkenswert war auch die unplanmäßige Stippvisite der 300 Meter langen „Aidaprima“, die zeigte, dass auch ein Anlauf von Schiffen dieser Größe am Liegeplatz 7 möglich war. Für nächstes Jahr stellt man sich wieder auf die Bedienung von etwa 200 Schiffen ein. Offiziell steht die Anzahl noch aus, inoffiziellen Meldungen zufolge werden wohl 202 Kreuzliner erwartet.

So lief die Frachtschifffahrt

In der Frachtschifffahrt gehörten der 237 Meter lange Bulker „Harvest Frost“, der in Rostock 71.500 Tonnen Getreide lud, und der 250 Meter lange und 44 Meter breite Tanker „Delta Sailor“, der 87.500 Tonnen Rohöl brachte, zu den größten Schiffen.

Bemerkenswert ist hier auch das zur Ausrüstung bei Liebherr gekommene 216,50 Meter lange Spezialschiff „Orion 1“, dessen Heli-Deck immerhin eine Breite von 58,40 Meter einnimmt. Und natürlich war für die Lotsen die Verlegung des „Global“-Kaskos eine Besonderheit. Mit den neuen „Taxis zu See“ waren die Lotsen zufrieden. In den nächsten Wochen wird der dritte Neubau für den Lotsbetrieb erwartet, sodass in jedem Bezirk dann eines der neuen Versetzboote stationiert ist.

Vertreter der Lotsenbrüderschaft nahmen an Simulationen zur Fahrwasservertiefung in Mukran und zur Verbesserung der Zufahrt nach Wismar teil. Weiterbildungsmaßnahmen wurden an der Seefahrtsschule in Warnemünde durchgeführt. Hier gab es ein revierbezogenes Simulationstraining, Informationen der Hafenbetreiber in den Lotsrevieren und ein Training zum Schlepperhandling. Der heimische Ältermann hofft, dass 2020 auch das neue Seelotsgesetz verabschiedet wird und damit auch die Ausbildungsverordnung, worüber aber noch diskutiert wird.