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Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Erst Bach, dann Shanty – mehr Kontrapunkte gehen nicht

Von Anika Naumann | 20.05.2019, 00:50 Uhr

Zum Bachfest sind das Freie Studentenorchester Rostock und der Shantychor Breitlings in der Nikolaikirche aufgetreten.

Das Experiment, ein Sinfonieorchester zusammen mit einem Shantychor auf eine Bühne zu bringen, mag gewagt erscheinen, ist aber mehr als gelungen: Im Zuge des Bachfests sind am Sonnabend das Freie Studentenorchester Rostock und der Shantychor Breitlings in der Nikolaikirche aufgetreten. Eigentlich sollte das Konzert am Ludewigbecken am Stadthafen stattfinden, wurde wegen unklarer Wettervorhersagen jedoch nach drinnen verlegt.

Viele Besucher wollten an dem Experiment teilhaben, nutzten den freien Eintritt und so war die Kirche sehr gut besucht. Auch während des Konzerts fanden immer wieder Passanten zufällig den Weg durch die offenen Kirchentüren. Zunächst spielte das Freie Studentenorchester unter Leitung des Kapellmeisters Hans-Christoph Borck ausgewählte klassische Meisterwerke. Natürlich durfte Johann Sebastian Bach den Anfang machen. Die „Toccata und Fuge in D-Moll“ sorgte für einen kraftvollen und rhythmischen Auftakt. Gefolgt von dem populären Werk „A Somerset Rhapsody“ von Gustav Holst und den „Peer-Gynt-Suiten 1 und 2“ von Edvard Grieg.

Im Anschluss wurde das Publikum mit einem starken Stilbruch konfrontiert. Der bekannte Shantychor Breitlings betrat die Bühne und sorgte für maritimen Flair in der Konzertkirche. Mit Hingabe und Herzblut sangen die 15 Männer vom Leben auf See, fremden Ländern und von verflossener Liebe. Damit sorgten sie beim Publikum für wippende Füße und Schunkeln – selbst bei den jungen Mitgliedern des Sinfonieorchesters.

Der Höhepunkt kam ganz klassisch zum Schluss: Gemeinsam gaben Orchester und Shantychor zwei Lieder zum Besten und sorgten für Gänsehaut und Begeisterung. Reichlich Applaus nötigte zu einer Zugabe. Das Experiment zeigte, dass die scheinbaren Gegensätze Shanty und Klassik wunderbar gemeinsam auf einer Bühne funktionieren.