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Rostock Rostock feuert Theater-Chef

Von Juliane Hinz | 16.11.2010, 10:21 Uhr

Kay-Uwe Nissen, kaufmännischer Geschäftsführer des Volkstheaters, ist fristlos gekündigt.

Drei Stunden diskutierte der Hauptausschuss gestern zum Teil lautstark über die Personalie. Am Ende seiner Dringlichkeitssitzung sprach er die Empfehlung aus, Nissen als Geschäftsführer abzuberufen. Unmittelbar danach kam die Gesellschafterversammlung der Volkstheater Rostock GmbH zusammen. Das Gremium sprach daraufhin die fristlose Kündigung aus. Um die arbeitsrechtlich gebotenen Fristen einzuhalten, musste die Entscheidung zügig folgen. Die Frist endet heute.

"Das Vertrauen des Gesellschafters in den Geschäftsführer ist nicht mehr gegeben", erklärte Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) gleich im Anschluss. Die Entwicklung des Volkstheaters werde nun im Controlling vorerst durch die Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding (RVV) begleitet. Zeitnah werde es eine überregionale Ausschreibung des Postens geben.

Die Diskussion im Hauptausschuss, bei der auch Nissen angehört wurde, sei mit großer Ernsthaftigkeit geführt worden, sagte FDP-Fraktionsvorstizender Dr. Ulrich Seidel: "Das ist bei einer Personalentscheidung auch angebracht." Sowohl bei der Befragung Nissens als auch bei der Anhörung des Wirtschaftsprüfers sei viel und lange nachgefragt worden.

Die Entscheidung war am Ende klar: Sieben Ausschussmitglieder sprachen sich für die Abberufung aus, vier enthielten sich der Stimme. Dr. Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09, kommentierte im Anschluss an die Sitzung: "Nach der Anhörung haben sich für mich einige Hauptvorwürfe als sehr zweifelhaft erwiesen, so dass eine Ablehnung der Abberufung die Folge hätte sein müssen." Allerdings sei durch die "öffentliche Demontage" Nissens im Vorfeld dessen Weiterarbeit am Theater unmöglich gemacht worden.

Zwei Jahre nach Nissens Amtsantritt als kaufmännischer Geschäftsführer der städtischen Bühne und ein halbes Jahr nach deren Umwandlung in eine GmbH steht das Volkstheater mit einem Defizit von 1,2 Millionen Euro da. Der Aufsichtsrat des Spielhauses hatte dafür vor allem Nissen verantwortlich gemacht und dessen Abberufung empfohlen. Denn: Nissen hatte viel zu spät einen Wirtschaftsplan vorgelegt, hätte den Gesellschafter daher nur unzureichend informiert. Fraglich bleibt, ob eine GmbH unter den von der Stadt vorgegebenen Rahmenbedingungen angesichts steigender Kosten vor allem durch Tariferhöhungen überlebensfähig ist.