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Rostock Rostock heißt seine Bürger willkommen

Von Torben Hinz | 19.10.2010, 10:10 Uhr

Deutscher werden ist in Rostock ein reiner Verwaltungsakt, der kaum Beachtung findet.

Die Antragsteller gehen als Ausländer in einen unscheinbaren Bürocontainer hinein und kommen als Deutsche wieder heraus. Das will Thomas Asendorf von der FDP nun ändern: Einmal im Jahr sollen neue Mitbürger mit einem Festakt im Rathaus willkommen geheißen werden.

"Das ist das Mindeste", sagt Asendorf. Schließlich würde von den neuen Mitbürgern ebenfalls Respekt und Anerkennung für die deutsche Kultur verlangt. Unter anderem müssen sie mindestens acht Jahre in der Bundesrepublik gelebt haben, ihre alte Staatsbürgerschaft aufgeben, das Grundgesetz anerkennen, einen Sprachtest absolvieren und nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. "Für sie ist es das Ende eines langen Weges", sagt Asendorf.

Den Beginn der deutschen Staatsbürgerschaft zu feiern, ist für ihn selbstverständlich. "Da müssen nicht alle singen oder die Hand aufs Herz legen", sagt Asendorf. Aber Flagge und Nationalhymne gehören für ihn schon dazu. "Es sollte ein normales Maß sein", sagt er.

Rückenwind bekommt der Antrag vom Migrantenrat der Stadt. "Es ist wichtig, die Migranten, die sich integrieren wollen, dabei zu unterstützen", sagt Vorsitzender Juri Rosov. Er selbst ist seit fünf Jahren deutscher Staatsbürger. "Meine Einbürgerung war absolut nicht feierlich", sagt er. Zwar seien die Beamten alle nett gewesen, "aber niemand freut sich eigentlich", so Rosov. Der ganze Vorgang sei ihm zu bürokratisch und habe den Charakter einer Fabrikabfertigung. "Die Idee einer Einbürgerungsfeier sehe ich sehr positiv", sagt Rosov.

Zustimmung kommt auch von den anderen politischen Parteien. "Das finden wir sehr sinnvoll", sagt Rainer Albrecht, Fraktionsvorsitzender der SPD. Auch die Grünen haben keine Einwände, solange die Migranten die Veranstaltung mittragen, sagt Fraktionsvorsitzender Johann-Georg Jaeger. Die Linkspartei hingegen lehnt den Antrag ab. "Grundsätzlich ist das eine gute Idee, aber das Geld würden wir lieber in sinnvolle Projekte stecken", sagt Fraktionsvorsitzende Eva-Maria Kröger. Den Eingebürgerten gehe es nicht darum, festlich, sondern freundlich aufgenommen zu werden. Dieses Argument kritisiert Prof. Dieter Neßelmann, Fraktionsvorsitzender der CDU: "Eine solche Veranstaltung hält sich finanziell gesehen durchaus in Grenzen." Schwerin beispielsweise hat 600 Euro für einen Festakt im Haushalt reserviert und laut Stadtverwaltung positive Erfahrungen gemacht.