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Schachtelmarathon Rostock holt sich den Weltrekord

Von CLLA | 04.07.2018, 20:30 Uhr

Über 10.000 Teilnehmer basteln in Gemeinschaftsaktion eine 1837,45 Meter lange Strecke aus Mini-Giebelhäusern.

Die Hansestädterin Marita Koch holte ihren Weltrekord im 400-Meter-Lauf 1985 noch allein – gestern ist es mehr als 10 000 Rostockern gelungen, gemeinsam eine weltweite Bestleistung aufzustellen: 1837,45 Meter lang war die Strecke, die rund 550 Schüler, Lehrer, Anwohner und spontane Helfer vom Neuen Markt aus zum Kröpeliner Tor, drumherum und zurück zum Markt aus Streichholzschachtel-Giebelhäusern gelegt hatten.

Der Großteil davon, nämlich 1522 Meter, wurde abgefilmt und wird nun nach London an die Guinness World Record Limited geschickt, damit die beachtliche Leistung einen Eintrag in das Buch der Weltrekorde erhält. „Die Live-Dokumentation war eine Herausforderung und sehr aufwendig“, sagt Andreas Duerst, Inhaber des Studios 301 in Marienehe, der mit seinem Team dafür einen Kinder-Fahrradanhänger zum Kamerawagen umgebaut hatte.

Die mehr als 300 Meter lange Reststrecke auf dem Neuen Markt konnte nicht mehr dokumentiert werden, weil sie für den Kamerawagen zu eng gelegt war. Da der Rostocker Weltrekord aber der erste dieser Art ist und die Vorgabe der Guinnessbuch-Verantwortlichen bei mindestens 1000 Meter lag, wurden die kurvigen Restmeter nur noch mit dem Rolltachometer der Polizei erfasst.

Ein halbes Jahr lang haben die Kunstlehrerinnen Antje Sell und Anja Janda am Schachtelmarathon geplant – und das neben ihrem Job und den Abiturprüfungen. Die Idee beruhe auf der Vicke-Schorler-Rolle, und die Aktion sei ein Geschenk an ihre Heimatstadt, die so schöne Giebelhäuser hat. „Mitgebastelt haben etwa 50 Schulen, über 20 Kitas und ebenso viele Horte, sechs Seniorenheime und viele Privatleute“, sagt Antje Sell.

Um die benötigte Menge an Bastelmaterial heranzuschaffen, hätten sie auch Unterstützung vom Streichholzwarenwerk Riesa erhalten. Hilfe gab es auch gestern reichlich: So packte Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) mit an, als eine Windböe ein Loch in die Strecke riss, die nahtlos aneinandergereiht sein musste. Die Schüler, die jeweils einen Zwei-Meter-Abschnitt bewachten, halfen Mamas mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren über die zeitweise Schachtel-Hindernisstrecke, die sich über die gesamte Kröpeliner Straße zog.

Unter den zahlreichen Schaulustigen war auch Erzieherin Ellen Brolewski mit ihrer Mäusegruppe. Mehr als 200 Schachteln haben die Kinder der Kita Marie Bloch gebastelt. „Deshalb haben wir eine Eis-Party versprochen, wenn wir den Rekord holen. Aber eigentlich gibt es das Eis so oder so“, sagte die Rostockerin schmunzelnd.

Eine noch größere Belohnung für den Einsatz verkündete Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) im Namen von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), der versprach, für jede gelegte Schachtel einen Euro für Schulprojekte zu spenden. Laut Dokumentation der Organisatorinnen könnten das über 40 000 Euro werden. Nach dem Ende der Vermessung wurden auch die Schachteln selbst eingesammelt. „Wir wollen daraus Collagen oder vielleicht Adventskalender basteln und diese dann für einen regionalen guten Zweck versteigern“, erklärte Antje Sell.