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Bevölkerungszuwachs Rostock: Jetzt doch Ausbau in Biestow?

Von Katrin Zimmer | 06.07.2018, 10:45 Uhr

Das Forschungsinstitut Empirica betont: Wohnungsnot ist nur durch Zusatzflächen heilbar. Jetzt muss die Stadt zwischen einem neuen Stadtteil und Innenverdichtung abwägen. Bei letzterem müssten Kleingärten weichen.

Wieder im Rennen: Nachdem die Pläne für einen neuen Stadtteil bei Biestow wegen der drohenden Preisexplosion auf Eis gelegt wurden, greift die Stadt vielleicht schon bald auf ihre Vision zurück. Denn um dem in der aktuellen Bevölkerungsprognose errechneten Einwohnerplus von rund 22 000 Menschen bis 2035 gerecht zu werden, muss Rostock dringend neues Bauland ausweisen, so Ludger Baba vom Forschungsinstitut Empirica gestern in der Gemeinschaftssitzung mehrerer Ausschüsse der Bürgerschaft. Chefplaner Ralph Müller sieht neben dem Aufbau eines einzelnen Stadtteils weitere Ansätze, um in den nächsten 20 Jahren die nötigen 26 000 Wohnungen zu schaffen.

Derzeit gibt es laut Stadtentwicklungsforscher Baba 120 000 Wohnungen in Rostock, die meisten in Größen zwischen 40 und 80 Quadratmetern. Gebraucht würden künftig vor allem noch größere, so der Experte. „Der Trend geht dahin, dass Ältere häufig allein in großen Wohnungen mit geringen Bestandsmieten leben, aus denen sie mangels besserer Alternativen nicht ausziehen. Die fehlen den jungen Familien“, sagt Baba. Um aber neue Wohnungen im günstigen Preissegment bauen zu können, müsse es einen gesunden Wettbewerb zwischen den Investoren geben. „Wenn es nur wenige Flächen gibt, gewinnen die teureren Prestige-Projekte“, betont der Experte. Mieten zwischen sechs und acht Euro kalt könnten so nicht entstehen, geförderte Sozialwohnungen würden auf die andere Segmente umgelagert, skizziert er.

Die bereits zur Bebauung ausgewiesenen Flächen wie das Gebiet Kringelhof oder Kiefernweg halten von den benötigten 26 000 Wohnungen etwa 3000 bereit, so Chefplaner Müller, weitere 6000 seien in Reserve. Um aber die fehlenden 17 000 Einheiten bereitzustellen, müsse Rostock sich zwischen drei Varianten entscheiden: einem großen neuen Stadtteil bei Biestow – drei kleineren mit je zirka 6000 Einwohnern oder vielen einzelnen Arealen. Insgesamt würden gut 400 Hektar benötigt. Fest steht: „Ein neuer Stadtteil muss immer entsprechend angebunden werden – bei dreien gäbe es natürlich mehr zu tun“, sagt Müller. Um aber viele kleine Flächen innerhalb bestehender Wohngebiete bebauen zu können, müssten vornehmlich Grünflächen weichen, auch Kleingärten. Welchen Weg die Stadt einschlagen wird, sollen im Herbst auch die Bürger mitentscheiden. Der Kurs wird die Grundlage des neuen Flächennutzungsplans, der derzeit erarbeitet wird.