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Bundesgartenschau 2025 Rostock will mit der Buga wachsen

Von Katrin Zimmer | 16.01.2018, 05:00 Uhr

Verwaltung sieht Bundesgartenschau 2025 als Teil der Stadtentwicklung. Planer: Stadthafen soll mit Brücke erlebbar werden

Die Hansestadt will 2025 die Bundesgartenschau (Buga) ausrichten, aber nicht als solitäre Veranstaltung, sondern als Teil der städtischen Entwicklung. Das haben Verwaltung und die Planer des Berliner Landschaftsarchitektur-Büros Sinai gestern im Rathaus deutlich gemacht. Die Buga soll als eine Zwischennutzung attraktiver Flächen am Wasser funktionieren, so Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD).

„Wir reden nicht über eine 170 Tage Veranstaltung mit Blumen und Bäumen, sondern einen therapeutischen Ansatz, um unser IGA-Trauma zu überwinden“, sagt der Senator. Nach der IGA 2003 war die Stadt auf 20 Millionen Euro sitzengeblieben. Diesmal sollen Fördermittel von Bund und Land, die für die Ausrichtung der Buga fließen würden, ein Projekt realisieren, das die Stadt allein nicht stemmen könnte: die Entwicklung des Rostocker Ovals vom Stadthafen bis nach Gehlsdorf. Dabei soll die Buga 2025 nur ein kleiner Teil des Städtebaus bis 2026 und darüber hinaus sein.

Das Konzept für eine Buga-Bewerbung ist noch vage: „Wir wissen noch nicht, wie viele Parkplätze wir brauchen und was der Eintritt kosten wird“, räumt  Bernhard Schwarz von Sinai ein. „Ziel ist es, den Stadthafen attraktiver und erlebbar zu machen“, so der Planer. Die Vision sieht vor, einen fünf Kilometer langen Rundweg vom Stadthafen über die Holzhalbinsel, vorbei am Osthafen, zur Deponie bis nach Gehlsdorf zu schaffen. Der Stadthafen soll dank Plateau über die L22 besser erreichbar und eine Brücke nach Gehlsdorf geschlagen werden, die weder Schiffsverkehr noch Hanse Sail behindert. An beiden Uferseiten müssten Gastronomie und Grünflächen entstehen, aber auch neuen Wohnraum in Gehlsdorf schließt Schwarz  nicht aus. Die Kleingartenanlage soll weitestgehend unberührt bleiben – „aber wir reden noch über ungelegt Eier“, so der Landschaftsplaner. Bürgerschaftsmitglied Sybille Bachmann (Rostocker Bund) riet, den Stadthafen nicht zu überfrachten: „Man könnte das Archäologische Landesmuseum auch an den Primelberg verlegen und das Theater auf die andere Warnowseite.“ Zwar müssten alle Faktoren bedacht werden, doch dürfe sich Rostock nicht übernehmen, entgegnete Schwarz. „Wir haben schon ein dickes Brett vor uns“, so der Planer.

Bedenken bezüglich der Wirtschaftlichkeit einer Buga äußerte Jens Rademacher, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK): „Das Nutzungskonzept darf nicht defizitär werden. Es könnte jedoch knapp werden, bis April eine durchdachte kaufmännische Betrachtung vorzunehmen.“ Schwarz versicherte, einen Business-Plan vorzulegen.

Ab heute haben alle Rostocker zwei Monate lang die Möglichkeit, per E-Mail Vorschläge zum Buga-Konzept und der Stadtentwicklung einzureichen. Bis zur Bürgerschaftssitzung im Mai soll ein Konzept vorliegen, denn bis Juni muss die Buga-Bewerbung fertig sein. Einziger Konkurrent ist bisher die Stadt Wuppertal.K

Mitreden: www.rathaus.rostock.de

Kommentar von Katrin Zimmer: Größer denken
„Mit Buga-Lust das IGA-Trauma bekämpfen“, lautet der Schlachtruf des Finanzsenators. Ob die Buga alle Wunden der IGA heilen kann, ist fraglich – ideell wie finanziell. Was aber funktionieren kann, ist der Gedanke, die Veranstaltung als Mittel zum Zweck zu nutzen und über das halbe Jahr, das die Gartenschau dauern würde, hinauszudenken. Denn die Buga und die damit verbundenen Fördermittel würden einen beträchtlichen Teil zur Stadtentwicklung beitragen – jedenfalls, wenn das Konzept gut durchdacht ist. Allerdings wäre es naiv zu glauben, dass die Buga-Gelder einen komplett neuen Stadthafen finanzieren können. Tief in die Tasche greifen müssen wir trotzdem. Aber warum nicht, mit der Aussicht auf ein Taschengeld dazu?