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Rostock Rostocker lernen ihre Stadt neu kennen

Von Nicole Pätzold | 19.02.2012, 09:21 Uhr

Horst Busch (69) und seine Frau haben erst morgens davon erfahren, sind spontan noch zur Geschäftsstelle von Rostock Touristik gegangen, um einen der begehrten Plätze zu ergattern.

Zum gestrigen Weltgästeführertag hat das Unternehmen in Kooperation mit zwei anderen Firmen kostenfrei 22 Stadtrundfahrten mit drei verschiedenen Zielen angeboten - alle an einem Tag. "Und wir sind ausgebucht", sagt Rostock-Touristik-Geschäftsführer Rainer Schwieger (43).

Horst Busch und seine Frau hatten aber noch Glück. Zwei andere Gäste sind abgesprungen und so konnten sie noch nachrücken, waren zwei von insgesamt rund 250 Gästen der Touren. "Wir haben so was noch nie mitgemacht. Meine Frau und ich wollen die Stadt mal aus einer anderen Perspektive sehen", sagt Busch. Die Stadtrundfahrten sollen bewusst auch Rostocker oder Zugezogene - und nicht nur Touristen - ansprechen, sagt Schwieger. Viele hätten den neu ausgebauten Güterbahnhof oder Ecken des Hafens noch nie gesehen, auch wenn sie Rostocker sind.

Anlass der Fahrten sei natürlich der besondere Tag, so Schwieger. Er hat sich dafür mit Jan Dzarnowski (43) vom Rostocker Transfer Service und André Rucks (45), dem Inhaber von Rucks Reisen, zusammengetan. "Wir helfen uns gegenseitig und wollen darauf aufmerksam machen, welche Möglichkeiten es in Rostock gibt", sagt Rucks. Auch das Image der Stadt würden sie verbessern wollen, ergänzt Dzarnowski. "Wer weiß schon, dass Rostock die einzige Stadt in Deutschland ist, die einen 17 Kilometer langen Strand hat. Er selbst hat die Führung von Touren nach Warnemünde übernommen. Daneben gab es auch noch die Hafen- und die Innenstadt-Tour. Letztere führte über rund eine Stunde mit dem Bus in die Nördliche Altstadt, zum Stadthafen, vorbei an der Petri- und der Nikolaikirche, dem Neuen Markt, dem Uniplatz, zum Steintor, zum Güterbahnhof, ins Petriviertel und wieder zurück.

"Vom Güterbahnhof war ich total überrascht", sagt Martha Hammer (72). Die Rentnerin hatte schon viel darüber gelesen, aber selber gesehen hatte sie das neu entstehende Wohnviertel noch nicht. Mit ihren beiden Freundinnen hat sie sich bei den Touren einen schönen Tag gemacht. "Die eine ist gerade erst hergezogen." So eine Tour würde sich anbieten, die Stadt kennenzulernen. Und sie sei auch keineswegs trocken, berichtet ihre Freundin Rita Zarwel (58): "Es wurde mit viel Humor und umfangreichem Wissen erzählt." Dabei hätten die Stadtführer alle ihren eigenen Stil, sagt Schwieger. Ob Historie, Baugeschehen oder Hintergründe - es gebe in jedem Fall noch viel zu erfahren.

Die Fahrt nach Warnemünde führte in zwei Stunden ebenfalls über die Innenstadt, nahm das Komponistenviertel, Reutershagen, den Passagierkai, Warnemünde, Groß Klein Dorf, den IGA-Park, den Fischereihafen und die Neptun-Werft mit. "Vieles in Groß Klein Dorf hatte ich noch nie gesehen", sagt Fotografin Brigitte Voigt (58). Sie hat die Stadtrundfahrt mit ihrer Tochter Inga (28) angetreten. Das wäre auch eine gute Inspiration für ihre Arbeit.

Die Hafen-Tour führte am historischen Stadthafen entlang über Gehlsdorf mit Panoramablick auf Rostock bis zum Überseehafen. "Viele ehemalige Hafenarbeiter waren da, haben die Gelegenheit genutzt, ihre alte Arbeitsstätte wiederzusehen", sagt Schwieger. Der Weltgästeführertag wird seit 1990 jährlich am 21. Februar veranstaltet. Weil sie aber an einem Sonntag viel mehr Menschen erreichen können, haben die Rostocker Unternehmer den Tag vorverlegt - ganz zur Freude der Gäste.