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Engagement Rostocker liebt und lebt das Leben

Von AENG | 20.01.2018, 16:00 Uhr

Nach einem Unfall ist Christian Tiffert querschnittsgelähmt – seinen Tatendrang hat er behalten und reiste mit „Rolli“ durch Russland. #wirkoennenrichtig

„Türen gehen auf und zu. Für mich sind mit dem Unfall neue aufgegangen“, sagt Christian Tiffert. Er sitzt in seinem Elektrorollstuhl vor dem Computer und beantwortet mit einem Mund-Joystick noch schnell eine E-Mail. Nach einem schweren Sturz mit dem Mountainbike ist der 40-Jährige von den Schultern abwärts gelähmt. Seitdem ist er an seinen Rollstuhl gefesselt, aber seinen Lebensmut hat er deshalb nicht verloren. „Ich habe mich entschieden, so weiter zu leben und ich bin zufrieden. Ich kann nun Sachen machen, die ich vorher nicht konnte, weil die Zeit fehlte“, sagt der Rostocker.

Als Marineoffizier fuhr der studierte Diplom-Ingenieur lange Jahre zur See und sah viel von der Welt. „Ich bin keineswegs traurig darüber, dass ich nun nicht mehr mit meiner Mannschaft aus dem Hafen laufen kann. Es war eine tolle Zeit und ich bin dankbar, diese miterlebt zu haben. Nun mache ich eben vieles anderes und reisen ist eins davon“, erklärt er.

In seiner Wohnung in der Nördlichen Altstadt hat Christian Tiffert alles nach seinen Bedürfnisse umbauen lassen und bekommt eine 24- Stunden-Betreuung. „Meine Assistenten sind viel mehr als nur Pfleger. Sie sind meine Begleiter und Freunde“, sagt der Ex-Offizier. Die bürokratischen Hürden bei der Organisation zu überwinden, habe ihn jedoch viel Zeit, Kraft und Ausdauer gekostet. „Niemand gibt dir einfach so was. Man muss sich das einfordern, was einem zusteht. Das beginnt schon beim Rollstuhl. Viele geben zu schnell auf“, so der 40-Jährige.

Er hat sich ins Leben zurückgekämpft, hat Träume und Ziele. Den Wunsch von einer Russlandrundreise hat er sich bereits erfüllt. Wenn er davon erzählt, kommt der Rostocker ins Schwärmen. „Jeder, dem ich von meinem Vorhaben erzählt habe, meinte, dass klappe niemals. Wir haben bewiesen, dass es doch geht. Nach einem Jahr Vorbereitung machten wir uns am 29. Mai 2017 mit zwei Kleinbussen, Rollstühlen, einem Bett und einer Menge Equipment auf den Weg“, berichtet Tiffert. In knapp vier Wochen legte er mit seinem Team 8000 Kilometer zurück, besuchte im südlichen Teil des europäischen Russland elf Städte und drei heilige Stätten. „Ich bin tief beeindruckt von dem Land. Wir wurden überall freundlich und bewundernd aufgenommen“, berichtet der Diplom-Ingenieur. Tiffert setzt sich auch für andere ein. „Ich möchte mit Projekten Menschen helfen und ihnen Mut machen.“ Aktuell engagiert sich der 40-Jährige für Kinder mit Behinderung aus Russland. „Auf meiner Russlandreise lud mich die Deutsche Botschaft in Moskau ein, die Hilfsprojekte für behinderte Kinder in Russland unterstützt.“ Besonders angetan war er vom Projekt Orchester Sonnennote. Kinder mit Downsyndrom bekommen über Musik neuen Lebensmut und sollen so in die Gesellschaft integriert werden. Der Rostocker unterstützt das Projekt und hat dafür ein Benefizkonzert morgen (21. Januar) in der Nikolaikirche organisiert. „Die Kinder und deren Schicksal haben mich sehr berührt und ich möchte, dass sie Perspektiven bekommen“, so Tiffert, „wir haben tolle Künstler eingeladen. Die Einnahmen gehen nach Russland. Ich habe vor, sie im April zu überreichen“.

Info

21. Januar um 17 Uhr beginnt in der Nikolaikirche das Benefizkonzert für das Moskauer Orchester Sonnennote.

Künstler: Arne Schmitt (Pianist), Baroque Bitches (Opernsängerinnen), Due Sopra il Basso Ensemble