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Ein Artikel der Redaktion NNN

Hilfe für Flüchtlinge Rostocker starten Rettungsmission per Boot

Von TOHI | 11.02.2016, 05:00 Uhr

Ehemaliger Fischkutter wird in der Werft Tamsen maritim für Hilfseinsatz vor der afrikanischen Küste umgerüstet

„Eigentlich ist das eine staatliche Aufgabe“, sagt Buschheuer. „Es wäre ein leichtes, das kleine Seegebiet von der Größe des Saarlands aufzuklären.“ Dennoch hat die EU die italienische Hilfsmission „Mare Nostrum“ Ende Oktober 2014 zugunsten der Grenzschutzoperation „Triton“ eingestellt. Das war der Auslöser für Buschheuers Engagement.

Gestern Mittag lief der mittlerweile in „Sea Eye“ umbenannte Kutter nach ein paar Testmanövern auf der Warnow in der Tamsen-Werft ein. Dort befreien die Helfer den Rumpf vom Bewuchs und nehmen einige Umbauten an Deck vor. Am Montag, 22. Februar, soll die Überfahrt ins Mittelmeer beginnen. Mit dabei sind dann auch Alois Mundt und Tilman Mischkowsky aus Kempten. Sie übernehmen die zweite Etappe von Brest nach Gibraltar. „Wir wollen einfach nur den Leuten das Überleben ermöglichen“, sagt Mundt.

Für den 60-Jährigen ist die Seefahrt absolutes Neuland. Und auch die mögliche Konfrontation mit dem Elend der Flüchtlinge ist er nicht gewohnt. „Ich weiß nicht, wie man sich darauf vorbereiten soll“, sagt der Maschinenbauingenieur, der wie alle Crewmitglieder die Kosten für Verpflegung, An- und Abreise selbst trägt. „Man wächst eben an den Aufgaben“, sagt er. Routiniert im Umgang mit kranken Menschen ist dagegen Unfallchirurg Mischkowsky.

Der 74-Jährige war im vergangenen Jahr in Afghanistan und zuvor in Nepal, um Kinder zu behandeln. Er hat viele Medikamente organisiert, andere Helfer spendeten 700 Rettungswesten und Rettungsinseln für 300 Menschen. „Das Kernproblem ist, dass wir die Zuwanderung nicht über Ertrinken regeln können“, sagt Mischkowsky. Und dass die Menschen die lebensgefährliche Fahrt über das Meer auf sich nehmen, daran trage auch Deutschland Schuld. Es habe versäumt, zu besseren Lebensbedingungen in den Heimatländern der Flüchtlinge beizutragen. „Wir fordern die Regierungen auf, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln“, sagt Buschheuer.