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Rostock Rostocker und Landkreis-Firmen erhalten Digitalisierungszuschuss

Von NNN | 14.07.2020, 15:36 Uhr

Land vergibt rund 110.000 Euro an neun Unternehmen. Geld soll unter anderem in Software-Ausstattung investiert werden.

Einen finanzkräftigen Zuschuss gibt es für neun Firmen aus der Hansestadt und dem Landkreis Rostock. Wie das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung am Dienstag mitteilte, sollen die Unternehmen mit insgesamt rund 110.000 Euro aus dem Landesprogramm zur Förderung der digitalen Transformation in Unternehmen, kurz Digitrans, unterstützt werden. Rund 35.000 Euro davon fließen nach Rostock, 75.000 Euro in den Landkreis.

Knapp 10.000 Euro erhält laut Ministerium das Rostocker Kontaktlinsenzentrum Maxam für eine moderne Hard- und Softwareausstattung. Geplant ist, alle Arbeitsplätze zu vernetzen und moderne Messgeräte über digitale Schnittstellen einzubinden. Außerdem sollen Kartenlesegeräte für EC- und Krankenkassenkarten an das System angeschlossen werden.

Software für Event-Agenturen geplant

Auch das Rostocker Start-Up Sawayo soll mit Fördergeldern unterstützt werden, eine spezielle Software zu entwickeln, um das Kerngeschäft von Event-Agenturen zu digitalisieren. Das Grundmodul soll jeweils an die spezifischen Kundenwünsche angepasst werden. Agenturen, so das Ministerium, könnten damit Veranstaltungen digital erfassen und relevante Dokumente hochladen, die auch digital unterzeichnet werden können. Dadurch könnten Kommunikationswege deutlich verkürzt und weniger fehleranfällig werden. 10.000 Euro erhält Sawayo dafür.

Die Tischlerei Freitag möchte ihren Zuschuss in Höhe von 10.000 Euro in neue Software investieren, um digitale Zeichnungen in 3D erstellen zu können. Dadurch sollen Planungen und Produktvorschläge den Kunden klarer präsentiert werden, so dass diese sich schneller entscheiden können. Außerdem können automatisch Stück- und Bestelllisten erzeugt und per Knopfdruck an die Händler weitergeleitet werden, nennt das Ministerium die Vorteile.

Die restlichen 5300 Euro gehen an die Gesellschaft für Haus-, Grundstücks- und Vermögensverwaltung, um ihre Mitarbeiter der Wohnungsverwaltung mit Tablets für die Wohnungsabnahme und -übergabe auszustatten. Damit können auch Zählerstände digital erfasst und weitergeleitet werden. Die Erfassung auf Papier entfällt.

50.000 Euro für neues Kassensystem für Café Röntgen

Im Landkreis Rostock profitiert unter anderem das Café Röntgen mit Hauptsitz in Steffenshagen von der Förderung. Mit 50.000 Euro unterstützt das Ministerium die Anschaffung einer cloudbasierten Software, über die alle Prozesse von der Organisation, die Produktion bis zum Vertrieb digitalisiert und verknüpft werden. Ein neues Kassensystem soll zudem die bargeldlose Bezahlung ohne Kartenlesegerät ermöglichen.

Die Tischlerei Pingel in Mönchhagen möchte in neue Software mit 3D-Planungs- und Konstruktionslösung investieren, mit der Möbel individuell geplant und dargestellt werden können. Zudem lassen sich Materialstücklisten automatisch erstellen und Angebote schneller unterbreiten. Dafür erhält die Tischlerei knapp 8000 Euro.

Apotheke will Salben selbst herstellen

Die Apotheke Dr. Anja Fischer-Beller in Elmenhorst will mithilfe der mehr als 5600 Euro Zuschuss ein Spektrometer für die Herstellung von Cremes, Salben, Kapseln, Augentropfen und Zäpfchen anschaffen. Damit können beispielsweise die Grundstoffe der anzumischenden Rezepturen digital auf ihre Reinheit geprüft werden statt wie bisher manuell. Dafür mussten auch die Arbeitsflächen ständig gereinigt werden. Jetzt können die Messungen direkt im Liefergefäß erfolgen. Das spare laut Ministerium Zeit, Wasser und schone die Umwelt, da Abfälle der chemischen Reaktionen entfallen.

Auch nach Papendorf fließt Geld. Die Matratzenmanufaktur Almatros will mit 5400 Euro Fördergeld ihren Onlinehandel verstärken. Auf einer neuen Webseite mit Onlineshop sollen Kunden künftig ihre Matratzen nach eigenen Wünschen konfigurieren können.

Jeder Tropfen Alkohol wird erfasst

Die Brennerei Maennerhobby in Klein Kussewitz will mit dem Zuschuss von 5000 Euro spezielle Software für ihre Zolllagerverwaltung anschaffen. Sie muss für die Lebensmittelüberwachungen durch den Zoll verschiedene Dokumente vorhalten, die belegen, wann, welche und wie viele Spirituosen destilliert wurden. Die neue Software ist in der Lage, jeden Tropfen Alkohol schon im Maischestadium zu erfassen und alle weiteren Prozessschritte zu protokollieren.

Die bisherigen handschriftlichen Aufzeichnungen waren aufgrund von Schätzwerten und mathematischen Berechnungen in verschiedenen Systemen für die Zollbestandsaufnahme nur bedingt auswertbar.

Förderinstitut liegen 208 Anträge vor

Die digitale Transformation stellt potenzielle Gründer, Start-Ups und insbesondere kleine und Kleinst- sowie mittlere Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern vor neue Herausforderungen. Um die Wirtschaft im Land auf dem Weg in die Digitalisierung zu begleiten und bei der zukunftsfähigen Aufstellung der Unternehmen zu helfen, hat das Energieministerium das Landesprogramm Digitrans aufgelegt.

Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten und entweder einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro können Fördermittel von bis zu 10.000 Euro, in Ausnahmen bis zu 50.000 Euro beantragen. Unterstützung in Form nicht rückzahlbarer Zuschüsse gibt es für den Aufbau neuer digitaler Geschäftsmodelle oder die Umstellung von analogen auf digitale Prozesse. Außerdem sind Investitionen in die IT-Sicherheit und den Datenschutz zur Erhöhung des Digitalisierungsgrads förderbar.

Zurzeit liegen beim Landesförderinstitut bereits 208 Anträge auf Förderung nach der Digitrans-Richtlinie mit einem Fördervolumen von zirka 3,04 Millionen Euro vor.