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Polarium-Bau Rostocker Zoo trauert um Eisbärendame Vienna

Von Claudia Labude-Gericke | 15.01.2018, 11:27 Uhr

Nach fast drei Jahrzehnten in Rostock stirbt das Tier im französischen Übergangsquartier

Rostock Der Bau des Polariums im Rostocker Zoo schreitet gut voran. Doch für eine potenzielle Bewohnerin kommt die geplante Eröffnung der neuen Eisbären-Anlage im Herbst zu spät: Vienna, Oma von Rostocks bisher letztem Eisbären-Baby Fiete, ist tot. Sie starb bereits am Sonnabend im Alter von 29 Jahren im französischen Zoo de la Palmyre. Dorthin war sie am 31. Oktober 2016 aufgrund der Polariums-Bauarbeiten übergangsweise umgesiedelt worden.

„Vienna hat 26 Jahre in unserem Zoo gelebt und mit dem unvergesslichen Eisbärenmann Churchill sechs Jungtiere zur Welt gebracht. Alle Mitarbeiter und viele Zoobesucher haben sich schon auf ihre Rückkehr gefreut. Umso bestürzter sind wir über die Nachricht über ihr Ableben“, sagt Kuratorin Antje Zimmermann.

Laut Informationen des französischen Zoos ging es Vienna seit Donnerstagabend plötzlich nicht mehr so gut. Über den Tod der Eisbärendame ist der Rostocker Zoo gestern von den französischen Kollegen informiert worden. Vor Ort in Frankreich soll durch eine  veterinärmedizinische  Untersuchungen die Todesursache von Vienna ermittelt werden.

Die Eisbären-Seniorin wurde im Tiergarten Schönbrunn in Wien geboren und kam am 15. Juni 1990 als junges Tier an die Ostseeküste. Charakteristisch war eine Wunde am Hinterbein, die ihr Eisbärenmann Churchill 2006 im Eifer des Gefechts zugefügt hatte und die bei Vienna zu einem leichten Humpeln führte. Ihre Nachkommen sind mittlerweile in verschiedenen europäischen Zoos beheimatet: Victoria (1996 geboren, seit 2015 in Kingussi, England), Victor (1998, seit 2014 in Branton, England), Vitus (2000, seit 2017 in Neumünster) sowie die Zwillinge Venus und Valeska (2004, Venus seit 2006 in Ranua, Finnland; Valeska seit 2012 in Bremerhaven).

Zu Viennas Kindern gehört auch Vilma, die 2002 geboren wurde und bis zuletzt auch in der Rostocker Bärenburg beheimatet war, wo sie 2014 Baby Fiete das Leben schenkte. Vilma zog ebenfalls 2016 um – nach Dänemark, wo sie Anfang November des gleichen Jahres plötzlich verstarb. „Ursache dafür war eine akute Darmentzündung“, so Antje Zimmermann.

Die Kuratorin ist aktuell dabei, den künftigen Bestand für das Rostocker Polarium zu organisieren. Geplant ist der Neubau für drei erwachsene Jungtiere und deren Nachwuchs. „Das heißt aber nicht, dass immer alle Plätze besetzt werden müssen.“ Schließlich würden  die Tiere laut der Kuratorin  in der freien Wildbahn auch in größerer Individualdistanz leben. 

Was laut Antje Zimmermann bereits feststeht, ist, dass der Rostocker Zoo ein junges Eisbären-Pärchen erhalten wird. „Die finalen Abstimmungen dazu laufen aktuell im Europäischen Verband der Zoos und Aquarien und mit dem Artenkomitee.“ Woher die Tiere kommen, will die Rostocker Kuratorin aufgrund der laufenden Gespräche noch nicht konkret sagen.

Klar sei aber, dass Rostocks Eisbärbaby Fiete nicht an die Warnow zurückkehrt. Er hätte sich in seinem neuen Zuhause, dem Zoo im ungarischen Sóstó, gut eingelebt. Dort hat das drei Jahre alte Männchen sogar eine Freundin gefunden, wie aktuelle Bilder beweisen, die der Rostocker Zoo von den Kollegen bekommen hat.