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nördliche Altstadt Rostocks Top-Ruine vor Besitzerwechsel

Von Torben Hinz | 05.10.2011, 10:00 Uhr

Jugendherberge, Bücherspeicher oder Töpferwerkstatt sollte der Hornsche Hof schon werden.

Jetzt gibt es neue Pläne für das vom Zerfall bedrohte und denkmalgeschützte Gebäude in der Nördlichen Altstadt. "Wir haben vier ernsthafte Interessenten, zum Teil aus Rostock", sagt Manfred Stemmler von der Firma MR Wirtschaftsdienste Rostock Rüffer. Er bietet den Hornschen Hof in der Wokrenter Straße im Auftrag einer Rostocker Gesellschaft zum Verkauf an. Als Teil einer Insolvenzmasse soll dieser rund 350 000 Euro kosten.

Alle potenziellen Käufer wollen seinen Angaben zufolge neuen Wohnraum schaffen, den sie später selbst vermieten. "Es wird wohl kein Gewerbe", so Stemmler. Momentan würden alle Angebote auf eine gesicherte Finanzierung hin überprüft. "Wir rechnen damit, Ende Oktober den Käufer nennen zu können", so der Makler.

Laut Michael Bräuer von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz könnte der neue Besitzer auch schon früher feststehen. Die heiße Phase der Verhandlungen laufe, so Bräuer. Erst danach kann auch seine Stiftung aktiv zur Rettung des Denkmals beitragen. Bislang hatten die ungeklärten Eigentumsverhältnisse im Zusammenhang mit dem Insolvenzverfahren alle Ideen scheitern lassen.

In jedem Fall muss der neue Eigentümer sein Bauvorhaben mit dem Amt für Denkmalschutz abstimmen. Denn anders als beim ehemaligen Kleinen Haus in der Eselföterstraße, dessen Saal für einen Erhalt bereits zu verfallen ist, wollen die Denkmalpfleger den Hornschen Hof auf jeden Fall retten. "Wichtigstes Anliegen ist der größtmögliche Substanzerhalt", sagt Stadtkuratorin Birgit Mannewitz. Darüber hinaus wünscht sie sich eine öffentliche Nutzung des Südflügels mit seinen Stuckaturen. Der Hornsche Hof vereint eine mehr als 400-jährige Baugeschichte, in der er als Adelssitz, Theaterspielstätte und schließlich als Kornspeicher und Lagerhaus genutzt wurde. "Der Denkmalwert liegt vor allem in der vorhandenen Originalsubstanz fast aller Bauphasen", sagt Mannewitz. Anlagen wie diese hätten die alte Hansestadt Rostock über Jahrhunderte hinweg geprägt.

Zuletzt wollte 2003 ein Investor Wohnungen in dem verfallenen Gebäude installieren. Das Vorhaben platzte allerdings genauso wie der Plan, Rostocks Tourismuszentrale dort einziehen zu lassen. Letzteres hätte das Wirtschaftsministerium finanziell unterstützt.

Dafür kann der neue Eigentümer nun auf die Hilfe der Stadt hoffen. Denn auf Rostocks Prioritätenliste für die Sanierung des Stadtzentrums rangiert der Hornsche Hof auf Platz 25. Demnach sind für seine Instandsetzung 2,5 Millionen Euro eingeplant, von denen 400 000 Euro über Fördermittel gedeckt werden sollen - allerdings erst 2014.

Auch die Straße Beim Hornschen Hof soll zwischen 2014 und 2016 für 250 000 Euro saniert werden. "Wir wünschen uns, dass es vorangeht", sagt Bauamtsleiterin Ines Gründel. Allerdings könnten die Fördermittel nur für ein konkretes Projekt eingesetzt werden.