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Verbandsversammlung Rostocks Wasserpreise sinken

Von Katrin Zimmer | 19.05.2018, 08:00 Uhr

Abwasserverband kann die Gebühren erfolgreich anpassen. Nordwasser übernimmt ab Juli die Versorgung.

Der Warnow- Wasser- und Abwasserverband (WWAV) senkt zum 1. Juli die Gebühren um durchschnittlich zehn Prozent. Möglich geworden ist die Kostenreduzierung durch die Gründung des kommunalen Unternehmens Nordwasser vor vier Jahren, das ab Juli die 310 000 Kunden in Rostock und dem Landkreis versorgen wird. Zuvor war der WWAV durch den Betreibervertrag mit dem privaten Versorger Eurawasser an dessen Vorgaben und Forderungen gebunden.

„Mit der Senkung um zirka zehn Prozent haben wir unser Ziel erreicht“, sagt WWAV-Vorstandschefin Ines Gründel. Die neuen Gebühren haben die beiden Verbandsmitglieder – die Hansestadt Rostock und der Zweckverband Wasser Abwasser Rostock Land – am Donnerstag mit dem gemäß der Vorgaben der EU-Kommission abgeänderten Passagen beschlossen. Trotz gestiegener Kosten für die Beseitigung des Niederschlagswassers um etwa 15 Prozent kann der WWAV durch den um ein Viertel geringeren Satz für Trinkwasser insgesamt die Reduzierung von gut zehn Prozent an die Verbraucher weitergeben, erklärt Geschäftsführerin Katja Gödke. Für eine durchschnittliche vierköpfige Familie in einem Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern sinken die Kosten so beispielsweise um 95 Euro pro Jahr.

Angst, dass wegen des Betreiberwechsels am 1. Juli kein Wasser mehr aus dem Hahn kommen könnte, muss laut Vorstandsmitglied Joachim Hünecke niemand haben. Nordwasser werde die Arbeit aufnehmen, ohne dass der Verbraucher einen Unterschied merke. Für die Geschäftsführer Michaela Link und Wolf-Thomas Hendrich steht allerdings noch immer nicht fest, wie viele Mitarbeiter sie von Eurawasser übernehmen werden. Der Versorger hatte sich geweigert, die Personaldaten früher als einen Monat vor der Übergabe freizugeben. Geschäftsführerin Link betont: „Wir befinden uns nicht in einem luftleeren Raum und wissen, dass wir definitiv genug und die notwendigen Spezialisten haben.“ 308 Mitarbeiter hätten bereits freiwillig ihre Daten an den neuen Arbeitgeber übermittelt. Alle werden ihre bisherige Vergütung sowie eine fünfjährige Arbeitsplatzgarantie bekommen.

Im Vorfeld hatte Eurawasser moniert, dass Nordwasser ohne europaweite Ausschreibung den Versorgungsauftrag erhielt und deshalb die Kündigung des Vertrags mit dem WWAV vor Gericht angefochten. Eine weitere Klage wegen des Verstoßes gegen das europäische Beihilfe- und Wettbewerbsrecht könne nicht ausgeschlossen werden, räumt Mitbegründer Jochen Bruhn ein.

So entstehen die neuen Gebühren

Durch die Gründung des kommunalen Unternehmens Nordwasser kann der Warnow- Wasser- und Abwasserverband (WWAV) nach 25 Jahren der Zusammenarbeit mit dem privaten Versorger Eurawasser die Gebühren in Rostock nun selbst festlegen, ohne dessen Vorgaben und Forderungen. Ab dem 1. Juli sinkt der Bruttosatz für den Kubikmeter Trinkwasser von 1,83 Euro um 24 Prozent auf 1,39 Euro. Die Entsorgung des Kubikmeters Schmutzwasser kostet dann 1,97 Euro statt 2,30 Euro und der Satz für Kleinkläranlagen sinkt um fast 30 Prozent auf 25,11 Euro pro Quadratmeter. Zwar steigen die Kosten für die Entleerung abflussloser Gruben und die Beseitigung des Niederschlagswassers um etwa 15 Prozent, letztere auf 0,53 Euro pro Kubikmeter. Insgesamt ergibt durch die Rekommunalisierung und die neuen Gebühren aber eine Ersparnis von etwa zehn Prozent für den Verbraucher. Für eine durchschnittliche vierköpfige Familie in einem Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern sinken die Kosten so um 95 Euro pro Jahr. Abgerechnet wird künftig pro Kalenderjahr.