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Ein Artikel der Redaktion NNN

Rudern Marie-Louise Dräger & Co. auf der Zielgeraden

Von Peter Richter | 14.08.2019, 18:20 Uhr

Auch für vier MV-Sportler hat die letzte Etappe auf dem Weg zu den WM in Linz begonnen. Vier MV-Sportler sind dabei.

Während sich die Besatzungen der olympischen Bootsklassen des Deutschen Ruderverbandes bis Mitte nächster Woche in Dachau, genauer gesagt auf der Regattastrecke Oberschleißheim der Olympischen Spiele 1972 in München, vorbereiten, trainierte Marie-Louise Dräger daheim. Das hatte den Vorteil, dass sie die Einschulung von Sohn Ben nicht verpasste und auch an seinen ersten beiden Schultagen bei ihm sein konnte. „Es macht ihm Spaß, er geht gerne dahin“, so die 38-Jährige über ihren „Zwerg“, übrigens ein Talent im Shorttrack.

Seit Mittwoch arbeitet Marie, die in Rostock lebt, jedoch wie Achter-Weltmeister Hannes Ocik für die Schweriner Rudergesellschaft von 1874/75 antritt, mit ihrem Heim-Coach Björn Lötsch in Lübeck am Feinschliff für die WM, bei der sie im Leichtgewichts-Einer starten wird.

Das Problem dabei: Diese Disziplin ist keine olympische, deshalb „wird diese Bootsklasse leider nicht vom Verband gefördert. Daher müssen die entstehenden Kosten vom Athleten bzw. Verein selbst getragen werden. In meinem Fall betragen diese für die WM-Woche 3800 Euro plus 2700 Euro für den Trainer, Anreise und Trainingslager extra (1500 Euro)“, informiert Dräger. Es werden also insgesamt 8000 Euro benötigt.

In der Hoffnung auf Hilfe von extern ist die Polizeimeisterin „kreativ“ geworden und sammelt mittels einer Online-Fundraising-Kampagne Spenden.

„Die Ruder-WM 2019 ist eine Zwischenstation auf dem Weg nach Tokio 2020, zu meiner fünften Teilnahme an den Olympischen Spielen. Darum ist der Start in Linz sportlich sehr wichtig für mich. Wenn ihr mich auf diesem Weg begleiten und unterstützen möchtet, könnt ihr dies hier tun!“, meldet sich die vierfache Weltmeisterin auf www.gofundme.com/zwischenstation-ruderwm-linz-2019 zu Wort.

Der Erfolg hält sich bislang allerdings im Rahmen. „Es läuft noch nicht so wirklich. Gleich die erste (anonyme – d. Red.) Spende betrug 100 Euro, aber jetzt liegen wir seit zwei Tagen bei 370. Ich hoffe, dass, wenn die WM losgeht und das Thema dadurch wieder ein bisschen präsenter ist, dann noch ein bisschen mehr geht“, so Marie-Louise Dräger.

Hannes Ocik: „Rotterdam war ein Warnschuss im richtigen Moment“

Der Deutschland-Achter hat seine „Niederlage“ vom Weltcup III und „nur“ Platz zwei hinter Großbritannien verarbeitet und arbeitet nun in Bayern an der Revanche bei den bevorstehenden Weltmeisterschaften in Linz.

„Wir hatten nach Rotterdam eine intensive und kritische Unterhaltung, was wir verändern müssen. Es war ein Warnschuss im richtigen Moment. Wir haben die Lehren daraus gezogen, produktiv den Hebel umgelegt und neuen Schwung gewonnen“, versichert Hannes Ocik.

Im zweieinhalbwöchigen Camp des männlichen Riemenbereichs im österreichischen Völkermarkt (Kärnten) „haben wir viele Trainingsumfänge durchgezogen und uns technisch noch mal steigern können. Wir sind auf einem guten Weg“, vermeldet Ocik aus der UWV II in Dachau.

In der letzten Woche vor der Abreise zu den WM steht für den Titelverteidiger u. a. die Erhöhung der Schlagfrequenz im Mittelpunkt, und, so der Rostocker Schlagmann, „wir fahren über 500, 1000 und 2000 Meter Relationsrennen gegen den Männer-Doppelvierer, der eine ähnliche Bootsgeschwindigkeit hat“ (Weltbestzeiten über 2000 Meter 5:18,68 bzw. 5:32,26 Minuten).

Ebenfalls im Achter startet Christin Stöhner vom Olympischen Ruder-Club. Sie war wegen einer Kapselüberdehnung im rechten Handgelenk längere Zeit ausgefallen, doch mittlerweile „sitze ich seit zwei Wochen wieder im Boot. Allerdings habe ich die Seite gewechselt, um die Hand weiter zu entlasten (von Back- auf Steuerbord, sie tauschte im Boot den Platz mit der Potsdamerin Melanie Göldner – d. Red.). Wir sind uns aber noch nicht ganz sicher, ob wir kurz vor der WM wieder zurückwechseln oder ob wir das jetzt so lassen.“ Für die WM ist die 21-jährige Medizin-Studentin optimistisch: „Insgesamt sind wir damit zufrieden, wie der Achter gerade läuft.“

Dritter MV-Teilnehmer aus MV in den olympischen Bootsklassen ist Stephan Krüger (Frankfurter RG Germania von 1869/ORC), der mit Tim Ole Naske (RG Hansa Hamburg) den deutschen Doppelzweier bildet. Hier geht es vordringlich darum, unter Leitung von Trainer Karsten Timm (ehemals Rostock) aus zwei den Einer bevorzugenden Individualisten eine funktionierende Einheit zu formen.

„Wir sind noch mal aufeinander zugegangen, dass wir uns technisch noch weiter annähern, ein einheitliches Bild vom Ruderschlag aufbauen – dass jeder ein bisschen was von seinem Einer-Schlag abgibt und sich unterordnet, damit am Ende eine Teamleistung dabei entsteht“, gewährt Krüger Einblick.

Der 30-Jährige wird im Übrigen „verspätet“ in Linz anreisen: Er fliegt Mittwoch nächster Woche erst noch mal nach Hamburg, um seine letzte Klausur zu schreiben. Wobei Stephan Krüger sein Master-Studium der Logistik, Infrastruktur und Mobilität eigentlich bereits erfolgreich beendet hat – bis auf diese abrundende Prüfung. Donnerstag (22. August) fliegt er dann nach München und stößt per Mietwagen zur Nationalmannschaft.

UWV = Unmittelbare Wettkampfvorbereitung