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Video: Hanse Sail 2017 Sail-Fieber in Rostock

Von TOHI | 10.08.2017, 20:45 Uhr

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig eröffnet das Treffen von Traditionsseglern und Museumschiffen. Neue Sicherheitsverordnungen machen den Eigner das Leben schwer.

Nach vier Schlägen floss das Bier: Als neue Ministerpräsidentin hat Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstag die Hanse Sail offiziell per Glockenschlag und Fassbieranstich eröffnet. „Das ist die Gelegenheit, zu zeigen, wer und was wir sind“, sagte sie und legte gleich nach: „Wir sind gar nicht so kühl und spröde, wie man es uns immer nachsagt – wir können auch richtig feiern.“

Für einen Dämpfer sorgt allerdings die geplante Sicherheitsrichtlinie von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Wenn sie ohne Veränderungen im Januar kommt, werden diese Traditionsschiffe untergehen“, sagt Jan-Matthias Westermann, Chef der Gemeinsamen Kommission für Historische Wasserfahrzeuge. Die Richtlinie sieht unter anderem verschärfte Brandschutzbestimmungen vor, die nur mit hohem Aufwand oder gar nicht nachgerüstet werden können. Westermann überreichte Schwesig einen symbolischen Rettungsring. Sie versprach: „Die Landesregierung setzt sich für den Erhalt der Traditionsschiffe und die Stärkung des Ehrenamtes ein.“

Geschichten von der Hansa Sail

Unter weißen Segeln: Ihre Liebe hält den Kurs

Meinung – JORO
Im Jahr 1989 wagte Jaap van der Rest ein großes Abenteuer. Er kaufte eine 36 Meter lange und sechs Meter breite rostige Badewanne. Van der Rest erkannte die Schönheit, zu der sich die „Loth Lorien“ entpuppen sollte, schon damals. Beinahe 30 Jahre später ruht die Dreimast-Barkentine am Kai des Rostocker Stadthafens. Das Deck ist geschrubbt, der Einkauf erledigt. Jaap van der Rest lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Ruhe vor dem Sturm. In ein paar Minuten kommen die ersten Gäste. Sie wollen die 27. Hanse Sail wasserseitig erleben, auf der „Loth Lorien“ mitsegeln. Das Schiff feiert in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag und gehört zu der Handvoll von Jubilaren des größten maritimen Spektakels in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Schiff wurde von den Konstrukteuren der Werft „Mjellem & Karlsen“ in Bergen gebaut und lief 1907 als „Njord“ vom Stapel. Bis in die 1980er-Jahre wurde es in der Fischerei eingesetzt. „Als ich das Schiff kaufte, war es komplett ausgeschlachtet. Es lag zuvor zwei Jahre im Hafen und war voller Müll. Jeder, der vorbeikam, lud seinen Dreck ab“, sagt Jaap van der Rest. Natürlich hätte er auch einfach einen fertigen Segler kaufen können, „aber ich habe schon immer gerne gebaut. Und nur, wenn ich etwas selbst anfertige, weiß ich, dass es so wird, wie ich es will.“ Bevor er Schiffseigner wurde, fuhr er Windsurf-Wettkämpfe.

Die „Loth Lorien“ schenkte Jaap van der Rest nicht nur unvergessliche Erlebnisse auf hoher See, sondern auch seine Anna. Vor mehr als zwei Jahrzehnten segelte sie auf der Dreimast-Barkentine mit, damals mit einem anderen Mann. „Als sie zum zweiten Mal kam, hatte ich eine Freundin. Ich habe Anna trotzdem eingeladen.“ Aus der Einladung wurde mehr: „Ich wurde ziemlich schnell schwanger – von einem Kapitän. Ich dachte damals, ich würde eine alleinerziehende Mutter werden.“ Doch es kam anders: Vor 22 Jahren wurde die gemeinsame Tochter geboren. „Jaap kaufte für 20 000 Gulden den ehemaligen Schlepper ,Dierkow’, der von der Treuhand in die Niederlande verkauft wurde. Er sagte, wir bauen das Schiff um, damit wir damit Touren anbieten und auf der ,Loth Lorien’ als Familie zusammenbleiben können“, erinnert sich Anna. Drei Jahre hat der Umbau der „Dierkow“ gedauert. „Gerade mit Baby war das eine sehr spannende Zeit.“ Seit 1998 fährt der ehemalige Schlepper unter dem Namen „J.R. Tolkien“ als Gaffeltop-Segelschoner.



Mit der „Loth Lorien“ unternahmen die van der Reests während der Sommermonate Ostsee-Ausflüge, im Winter lag das Schiff an seinem Liegeplatz im Hafen von Amsterdam. „Unser Sohn Jop wurde auf der ,Loth’ geboren. Hausgeburten waren damals in den Niederlanden üblich und die Barkentine war nun mal unser Zuhause“, erzählt Anna. Im Jahr 2000 wünschte sich die Hamburgerin eine Veränderung. „Unsere Kinder brauchten ein soziales Umfeld“, erklärt sie. „Wir kauften also ein Bauernhaus in Bergedorf. Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen auf einem Schiff zu wohnen.“ Auch Jaap van der Rest hat sich weitestgehend aus dem Tagesgeschäft an Bord zurückgezogen. Seine Crew ist gut ausgebildet, seinen Kapitänen könne er blind vertrauen. Nach Rostock kommt das Paar aber nach wie vor gern: „Wir fühlen uns hier sehr wohl und willkommen“, sagt Anna.

1992 kam Jaap van der Rest das erste Mal zur Hanse Sail. „Damals bestand der komplette Kai aus bröckligem Mauerwerk. Die Stadt hat sich entwickelt. Die Hanse Sail auch. Für uns ist sie eine der stärksten Events, die wir besuchen.“ Mit bis zu 90 Gästen fahren die Schiffe mehrmals täglich über die Warnow auf die Ostsee. „Viele sind traurig, wenn der Wind fehlt. Für uns ist das perfekt“, sagt der Schiffseigner. „Bei so viel Schiffsverkehr, brauchen wir keinen Wind. Außerdem bekommen wir dann Ärger mit dem Koch und den Weingläsern“, begründet Jaap und ergänzt: „Außerdem sind die meisten Gäste keine erfahrenen Seeleute, sie sollen eine entspannte Tour genießen und dazu brauchen wir lediglich Sonne und gut gekühlten Weißwein.“    

Die „Loth Lorien“ und die „J.R.Tolkien“sind an Liegeplatz 80 im Stadthafen zu finden. Karten für Törns können vor Ort oder über die Buchungszentrale der Hanse Sail unter 0381/381 29 75 gekauft werden.



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Einen sicheren Partner hat sie dabei in Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Er sagt: „Diese Schiffe schreiben internationale, völkerverständigende Geschichte.“ Mit der Hanse Sail zeige Rostock, wieder „Mitglied der großen Weltfamilie geworden“ zu sein. Gäste aus Russland, den USA, Island, Kroatien, Brasilien oder auch der polnischen Partnerstadt Stettin würden das belegen. Dass die nicht alle nur mit Rostocker Gastfreundschaft in Kontakt kommen, kritisiert Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke): „Ich ärgere mich, dass die Hotels die Gunst der Stunde nutzen und das Dreifache des üblichen Preises einfordern – das ist unverschämt.“ Für diese Worte erhielt er lautstarke Zustimmung des Publikums.

Mehr Informationen:

Alle Höhepunkte der Hanse Sail auf einen Blick

Freitag, 11. August: ab 9 Uhr Tagesfahrten der teilnehmenden Schiffe; 9 bis 18 Uhr Open-Ship auf der „Mir“ am Passagierkai in Warnemünde (ab 18 Jahre); 10 bis 18 Uhr offener Stützpunkt der Deutschen Marine in Hohe Düne; 10 bis 18 Uhr Open-Ship auf der „Nordlys“ im Stadthafen (Liegeplatz 76); 10 bis 21 Uhr Open-Ship auf der „Sedov“ am Passagierkai in Warnemünde (ab 16 Jahre); 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr Open-Ship auf der „Vormann Jantzen“ am Alten Strom in Warnemünde; 10 bis 17 Uhr Open-Ship der „Eschwege“ am Passagierkai in Warnemünde; ab 11 Uhr Seenotrettungsübung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger im Warnemünder Seekanal; 12 bis 20 Uhr Hanse Sail Trophy im Segelstadion im Stadthafen; 13 bis 15 Uhr 8. Mini-Sail im IGA-Park Schmarl; 18 Uhr und 20 Uhr Wasserski-Show im Segelstadion; 19 bis 23 Uhr Abendfahrten auf Traditionsseglern und Museumsschiffen Sonnabend, 12. August: ab 9 Uhr Tagesfahrten der teilnehmenden Schiffe, ab 9 Uhr Eröffnung des 18. Kanonier- und Böllertreffens in Gehlsdorf; 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr Open-Ship auf der „Vormann Jantzen“ am Alten Strom in Warnemünde; 10 bis 18 Uhr offener Stützpunkt der Deutschen Marine in Hohe Düne; 13 bis 15 Uhr 8. Mini-Sail im IGA-Park Schmarl; ab 14 Uhr Seenotrettungsübung auf dem Marinestützpunkt Hohe Düne; 14 bis 18 Uhr SUP Teamsport Cup im Segelstadion im Stadthafen; 15 bis 18 Uhr Gäste- und Besucherböllern in Gehlsdorf; 18 bis 24 Uhr NDR2-Show mit den Stargästen Julien Le Play und Aura; 19 bis 23 Uhr Abendfahrten auf Traditionsseglern und Museumsschiffen; ab 20 Uhr Schlauchboot-Ballett des Schlauchbootclubs im Segelstadtion; 22 Uhr Sailors Feuerwerk in Warnemünde, 2.40 Uhr Sailors Feuerwerk im Stadthafen Sonntag, 13. August: ab 9 Uhr Tagesfahrten der teilnehmenden Schiff; 9 bis 16 Uhr Open-Ship auf der „Sedov“ am Passagierkai Warnemünde (ab 16 Jahre); 9 bis 22 Uhr Open-Ship auf der „Mir“ am Passagierkai in Warnemünde (ab 18 Jahre); 10 Uhr Seefahrergottesdienst in der Kirche Warnemünde; 10 bis 13 Uhr Open-Ship auf der „Vormann Jantzen“ am Alten Strom in Warnemünde;ab 11 Uhr Hanse Sail Regatta „Greif“ vs. „Royal Helena“; 11 Uhr Ökumenischer Gottesdienst bei der NDR Bühne; ab 12 Uhr Kutterruder-Regatta und MV-Meisterschaft der Segelvereine im Segelstadion; 15 bis 18 Uhr Gäste- und Besucherböllern in Gehlsdorf; ab 18 Uhr Parade der Nationen