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Suchtwoche Schutz für das ungeborene Leben

Von clla | 28.05.2018, 05:00 Uhr

Experten informieren bei Fachveranstaltungen und in Ausstellungen über die Folgen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft.

Es ist die einzige Behinderung, die komplett verhindert werden könnte. Doch noch immer werden jedes Jahr bundesweit bis zu 10 000 Kinder geboren, die unter fetalen Alkohol-Spektrums-Störungen (FASD) leiden, weil ihre Mütter in der Schwangerschaft Alkohol konsumiert haben. 4000 dieser Kinder gelten sogar als schwerbehindert, weiß der Rostocker Facharzt Dr. Michael Köhnke, Sprecher der Arbeitsgruppe Sucht. Grund genug für die Verantwortlichen des Gesundheitsamtes, diese Krankheit in den Fokus der Montag beginnenden 25. Suchtwoche zu stellen.

„Da die Folgen äußerst vielfältig sind, werden sie oft spät oder gar nicht diagnostiziert und die Betroffenen leiden ihr Leben lang“, weiß Katrin Oldörp, Netzwerkkoordinatorin Frühe Hilfen im Jugendamt. Das so genannte klinische Vollbild erkennbarer Symptome – eine kurze flache Nase, die fehlende Furche zwischen Nase und Mund, kleine Zähne oder hängende Lider – sei selten. Doch neben den körperlichen Fehlbildungen könnten auch Mangelentwicklungen wie zum Beispiel Konzentrationsstörungen auf eine FASD-Erkrankung hindeuten – und das sogar im Erwachsenenalter.

Weil es bisher keine gesicherten medizinischen Erkenntnisse gibt, welche Mengen an Alkohol zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft welche genauen Folgen haben, raten die Experten zu kompletter Abstinenz unter dem Motto „Kein Schluck – kein Risisko“. Denn während bei Lebensmitteln die Verwendung von Alkohol, zum Beispiel in Schokolade, kennzeichnungspflichtig ist, sei dies bei Getränken schwieriger. Auch vermeintlich alkoholfreie Biere können geringe Mengen Alkohol enthalten.

Um besonders junge Menschen über die Gefahren von Alkohol in der Schwangerschaft aufzuklären, haben die Organisatoren der Suchtwoche eine besondere Ausstellung organisiert, die bereits seit Februar erfolgreich durch MV tourt und einzigartige Einblicke bietet – sowohl aus Sicht der werdenden Mutter als auch aus der des Babys. Von Montag bis 7. Juni können sich Lehrer mit ihren Klassen ab Jahrgangsstufe 9 für Führungen am Vormittag anmelden. Ab 15 Uhr ist die Schau „Zero“ in der Rathaushalle dann immer öffentlich. „In einer begehbaren Gebärmutter können die Besucher erleben, was der Fötus zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft mitbekommt – eine solche Chance hat man nie wieder“, sagt Dr. Antje Wrociszewski, Suchtkoordinatorin im Gesundheitsamt.

Anmeldung: 0381/381 53 05

Das Programm der 25. Rostocker Suchtwoche

• Vom 28. Mai bis 7. Juni, jeweils 9 bis 17 Uhr, zwei Ausstellungen im Rathaus: „Zero! Schwanger – mein Kind trinkt mit. Alkohol! – Kein Schluck. Kein Risiko“, vormittags mit Anmeldung für Schulklassen und Gruppen, ab 15 Uhr öffentlich; „Bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“, Plakatausstellungen von jungen Künstlern

• Dienstag, 29. Mai, 10 Uhr: „Schnelles Spiel – Schnelles Geld?“ Präventionsveranstaltung für Schüler zum Thema Glücksspiel, Goethestraße 16; 14 Uhr: 12. Suchtsymposium Universitätsmedizin Rostock, Gehlsheimer Straße 20

• Mittwoch, 30. Mai: 8.30 bis 15 Uhr Fachtagung Sucht und Prävention für Lehrer (ausgebucht)

• Donnerstag, 31. Mai, 10 bis 15 Uhr: Tag der offenen Tür beim Abstinenzverein Trockendock, Taklerring 41; 15 bis 17 Uhr: Bowlingturnier für Betroffene bei Ostsee-Bowling Warnemünde Alte Bahnhofstraße 10

• Freitag, 1. Juni, 9 bis 13 Uhr: „Lauf um Dein Leben – vom Junkie zum Ironman“, Präsentationsveranstaltung mit Film für Schüler ab Klassenstufe 9, Liwu-Kino, Friedrichstraße 23; 8.30 bis 12.30 Uhr: Suchtspezifische Fortbildung für medizinische Praxisassistenten, Hanse Messe; 10 bis 14 Uhr: Tag der offenen Tür beim Abstinenzverein Trockendock, Dalwitzhofer Weg 1a