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Rostock "Schwarzfüße" steuern Jubiläum an

Von Reiner Frank | 07.04.2010, 01:57 Uhr

Der Verein der Schiffsingenieure zu Rostock (VSIR) blickt seinem 20-jährigen Jubiläum entgegen.

Am 19. April 1990 schlug an der Warnemünder Seefahrtsschule die Geburtsstunde. Auf einer Festveranstaltung am 22. April im Konferenzzentrum des Warnemünder Technologieparks wird daran erinnert, wie es begann und veranschaulicht, wie sich der Verein entwickelte und welchen Stellenwert das Schiffsingenieurwesen heute und in der Zukunft hat. Detlef Junge (69), der heutige Vorsitzende, und Helmut Köstler (75), der von 1993 bis 2005 den Verein führte, gehörten zu den Gründungsmitgliedern.

Schon im Vorfeld hatten einige Schiffsingenieure - die "Schwarzfüße" an Bord, wie sie sich selbst bezeichnen - den Weg zu einem unabhängig von der Kammer der Technik (KdT) arbeitenden Verein ausgelotet, Kontakte mit Berufskollegen in Hamburg und Bremerhaven geknüpft und mit deren Hilfe die Gründung vorbereitet. "Das Interesse war groß, als nach einem Treff Schiffsbetriebstechniker, der fachlichen Weiterbildung bis dahin im Rahmen der KdT, zur Gründungsversammlung eingeladen wurde. Gleich 59 Leute unterschrieben seinerzeit einen Aufnahmeantrag", erinnert sich Köstler. "Die Resonanz war wohl auch deshalb so gewaltig, weil sich der Aderlass in der maritimen Wirtschaft bereits abzeichnete, ein berufsständischer Verein Hilfe und Rat für das weitere Berufsleben über die Region hinaus versprach", sagt Junge, der in den ersten Vorstand gewählt wurde.

Die Schiffsingenieure Dr. Harald Kohn und Dr. Hans Ziehe waren die ersten beiden Vorsitzenden, ehe Köstler für zwölf Jahre ihr Erbe antrat. Schon im ersten Jahr des Bestehens wuchs die Mitgliederzahl auf mehr als 100. Auch Hamburger gehörten dazu. Als korporative Mitglieder unterstützten Firmen wie Blohm & Voss den Entwicklungsweg des Rostocker Vereins. Bereits nach der ersten Hauptversammlung öffnete sich der Verein allen technischen Schiffsoffizieren und dem gesamten technischen Personal unabhängig von der Dienststellung an Bord oder der Tätigkeit an Land.

Heute gehören dem Verein 158 Techniker und elf korporative Mitglieder an. Verstärkung sei herzlich willkommen, betonen Junge und Köstler. Zum Mitgliederleben laden jeden zweiten Donnerstag im Monat Informationsveran staltungen am Stammtisch, der für die Schiffstechniker seit 1991 in der Gaststätte "Stralsunder" steht. Vier Mal im Jahr gibt es am Fachbereich Seefahrt den Treff Schiffsbetriebstechniker. Und regelmäßig wird, vielfach im Miteinander mit der Deutschen Gesellschaft für Schifffahrts- und Marinegeschichte (DGSM), zu Exkursionen eingeladen. Sie führten unter anderem zu Schiffbau- und Maschinenbetrieben, in die heimischen Werften, zu Caterpillar, Metallguss Waren oder Schottel Wismar, aber auch nach Papenburg oder Burmeister & Wain in Kopenhagen. Bei der Schiffbaumesse SMM in Hamburg sind auch Rostocker Vereinsmitglieder als Betreuer am Stand des Dachverbandes vertreten. Eine Besonderheit ist das Treffen der Schiffstechniker während der Hanse Sail zum Engineers Reception.

Seit 1995 führt der Verein diese weltweit einmaligen Zusammenkünfte in eigener Regie durch, die sich bei den Maschinisten der Sail-Schiffe großer Beliebtheit erfreuen. Stimmungswogen rollen durch den Rostocker "Braukeller", wo Shantychöre seit einigen Jahren die zwanglosen Veranstaltungen umrahmen. Die "Schwarzfüße" treffen sich auch zum Heizerball oder, wie jüngst, zur Jahreshauptversammlung, um die weiteren Ziele abzustecken. Dazu gehört eine verstärkte Mitgliederwerbung, eine Verjüngung des Vereins.

Schiffsingenieuren, die sich im aktiven Berufsleben befinden, soll - ähnlich wie im Verein der Kapitäne und Schiffsoffiziere - dafür mit einer Gruppen-Rechtsschutzversicherung eine Plattform gegeben werden. Ein Unterfangen, für deren Umsetzung noch viel Überzeugungskraft vonnöten sei, wie Junge sagt. Der Vereinsvorsitzende war zehn Jahre bei der DSR zur See gefahren, um dann auf Werften von der Konstruktion an in Sachen Antrieb tätig zu werden. Köstler hatte in Maschinenräumen von Schiffen der Hochseefischerei sein Tätigkeitsfeld, ehe er Lehrer im Hochschuldienst wurde. Er wirkt heute im Ältestenrat des Vereins mit, der dem Vorstand beratend zur Seite steht. Wenn am 22. April zum 20-jährigen Bestehen eingeladen wird, sei auch an die Vorläufer erinnert, die ihre Wurzeln anno 1893 mit der Gründung des Maschinisten-Vereins für Rostock und Umgebung haben. 1914 wurde in Rostock dann der Verband Deutscher Schiffsingenieure gegründet, dessen Stammtisch mit den Namensschildern etlicher Chiefs heute im "Sumpf" des Warnemünder Fachbereiches Seefahrt steht.