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Norddeutsche Neueste Nachrichten Seekanal-Vertiefung lässt weiter auf sich warten

Von Torben Hinz | 30.11.2012, 08:37 Uhr

Im Kampf um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit setzt Rostock weiter auf eine Vertiefung seines Seekanals.

„Dadurch kämen wir auf Augenhöhe mit manchem polnischen Hafen – Danzig hat bereits 16,50 Meter Wassertiefe, Swinemünde 14 Meter“, sagt Dr. Ulrich Bauermeister, Chef der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero). Er will mit Danzig gleichziehen, um auch größeren Schiffen den Anlauf in Rostock zu ermöglichen. Durch ihr Frachtvolumen verbesserten diese die Transporteffizienz von Massengütern wie Erz, Kohle, Getreide oder Baustoffen. Gleichzeitig werde Rostock attraktiver für Unternehmen.

Das Problem: Die Akteure der Hansestadt haben nur sehr begrenzten Einfluss auf die mögliche Vertiefung – Eigentümer des Seekanals ist der Bund. Er entscheidet, ob dem Ausbauantrag stattgegeben wird, den das Land eingereicht hat. Voraussetzung dafür ist die Aufnahme des Projekts in den Bundesverkehrswegeplan 2015, der gerade erarbeitet wird. In ihm werden die verschiedenen Vorhaben auf Schiene, Straße und Wasserstraße zusammengeführt. „Die Rangfolge der Maßnahmen bildet die Grundlage für weitere Entscheidungen“, sagt Claudia Thoma von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord (WSD).

Unabhängig davon werde in der WSD derzeit die Voruntersuchung zur Vertiefung des Seekanals abschließend geprüft. Die anschließende Umweltverträglichkeitsprüfung sei ebenfalls durch das Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegeben worden. Vor ihrem Beginn sei aber noch ein so genanntes Scopingverfahren nötig, das drei bis sechs Monate in Anspruch nimmt und den Umfang der Umweltverträglichkeitsprüfung festlegt. Letztere dauere noch einmal mindestens eineinhalb Jahre.

Sollte der Seekanal diese Hürden nehmen, folgt ein langwieriges Planfeststellungsverfahren, an dem auch die Bürger beteiligt werden. „Wie lange dieses dauert, hängt auch von der Beurteilung und der Behandlung von gegebenenfalls vorliegenden Einwendungen ab“, sagt Thoma. Erst wenn alle Abwägungen getroffen seien, könnten die Baggerschiffe tatsächlich beginnen. Wegen des schwierigen Baugrunds rechnet Thoma mit bis zu drei Jahren Bauzeit – „vorausgesetzt, die benötigten Haushaltsmittel werden in der erforderlichen Höhe bereitgestellt“. Nach aktuellem Stand würden mehr als 100 Millionen Euro fällig.

„Wir können nur immer wieder darauf aufmerksam machen und dafür werben, dass eine Seekanal-Vertiefung ökonomisch sinnvoll und wichtig ist“, sagt Bauermeister. Je früher sie komme, desto besser. Unter anderem könne auch die Hinterlandinfrastruktur ab Rostock profitieren, die deutlich intensiviert werden und somit andere stark beanspruchte Verkehrsachsen in Deutschland entlasten könnte. Das sieht auch Thoma so, die einen weiteren Vorteil nennt: „Die bessere Nutzung der Infrastruktur entlastet die Umwelt.“