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Rostock Sehbehinderte planen Ausstellung mit

Von Katrin Zimmer | 07.06.2018, 12:00 Uhr

Betroffene geben Hinweise zur taktilen Führung durch Museen. Leitsysteme fehlen vielerorts in Rostock.

Auspacken, ins rechte Licht rücken, etikettieren: Mehr als 700 Ausstellungsstücke suchen im Kulturhistorischen Museum derzeit ihren Platz in der Jubiläumsausstellung „Rostock. Jetzt 800“. Damit auch Sehbehinderte die Schau, die am Donnerstag, 14. Juni, eröffnet wird, facettenreich erleben können, haben Gudrun Buse und Manuela Pursche vom Blinden- und Sehbehindertenverein mitgeholfen, sie auf deren Bedürfnisse zuzuschneiden. Am bundesweiten Sehbehindertentag zum Thema Museen haben sie gestern gezeigt, was es zu beachten gilt.

„Es beginnt mit einem Leitsystem am Boden und endet damit, dass eine große Schrift mit klaren Konturen verwendet wird. Auch hohe Kontraste sind für Sehbehinderte wichtig – graue Schrift auf einem weißen Untergrund wäre unmöglich“, erklärt Buse. Schon häufiger habe der Verein gut mit dem Museum zusammengearbeitet. „In den Audioguides werden die Objekte so beschrieben, sodass man sie sich gut vorstellen kann“, sagt die Vorsitzende der Rostocker Gebietsgruppe. Nach Anmeldung würden die Museumspädagogen stets gern spezielle Führungen vorbereiten, bei denen Sehbehinderte auch Objekte ertasten können – „damit wir noch mehr sehen können“, ergänzt Manuela Pursche. Ähnliche Angebote gäbe es in der Kunsthalle und auf dem Tradi.

Was in Rostocks Museen sowie auf öffentlichen Wegen auf einem guten Stand, aber noch ausbaufähig sei: Leitsysteme. „An Ampeln und Haltestellen sind überall die weißen Rillenplatten vorhanden, aber wenn es an die nächste Biegung geht, wird es oft schwierig“, sagt Buse. Immerhin: Bei Neubauprojekten wie der Sanierung der Kreuzung St.-Petersburger-Straße/Warnowallee wurden die Vereinsmitglieder von der Stadt hinzugezogen, um die theoretischen Pläne in der Praxis zu testen. „Wir achten darauf, dass die Borde sechs Zentimeter hoch sind, damit Langstockgeher und Blindenführhunde die Straße erkennen und stoppen“, so Buse.

Laut einer Statistik aus 2017 leben derzeit rund 400 Blinde mit einer Sehkraft von weniger als zwei Prozent und mehr als 200 Menschen mit einer hochgradigen Sehbehinderung bis fünf Prozent in Rostock, zitiert Buse. Die Dunkelziffer liege wesentlich höher, denn auch viele Ältere hätten Probleme mit dem Sehen, ohne dass sie offiziell gemeldet wären.