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Senioren Rechtzeitig Netzwerke schaffen

Von Heide Niemann-Rabe | 20.11.2018, 13:11 Uhr

Dritte Seniorenkonferenz der Stadt thematisiert Lebensqualität im Alter, einen Traum mit Problemen.

„Lebensqualität im Alter – Verantwortung der Kommunen“, so lautete das Motto der 3. Seniorenkonferenz der Hanse- und Universitätsstadt Rostock am 14.November. Ausgerichtet und eingeladen hatten der Seniorenbeirat der Stadt und die Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik in MV. Die Plätze in der 4. Etage der Volkshochschule am Kabutzenhof waren an diesem Vormittag gut besetzt, und doch hätte angesichts von rund 50.000 Rostocker Senioren im 60plus-Alter gewünscht werden können, die gesamte Volkshochschule würde aus den Nähten platzen. Als Referent war Steffen Bockhahn (Linke) eingeladen worden, der Senator für Jugend und Soziales, Gesundheit, Schule und Sport. Obwohl in seiner Ressortbeschreibung die starke Gruppe der Senioren fehlt, so bewies der Senator mit viel Sachkenntnis und ohne beschönigende und verharmlosende Augenwischerei, dass er die nicht immer einfache Situation der Seniorinnen und Senioren in unserer Stadt kennt und auch sich und die Kommune in der Verantwortung sieht.

Seine Problembeschreibung ging von den demografischen Veränderungen und deren vielschichtigen Konsequenzen aus. Kurz gesagt: Die Bevölkerung altert zunehmend, die Anzahl der Single-Haushalte mit älteren Alleinstehenden wächst, im hohen Alter steigt der Pflegebedarf und auch die Kommune muss sich verstärkt um das Wohlbefinden ihrer ältesten Mitbürger bemühen. Nach Einschätzung des Senators gibt es besonders bei der professionellen Kurzzeit- und Verhinderungspflege in Rostock eine krasse Unterversorgung – besonders, wenn kein Pflegegrad besteht. Was geschieht, wenn ältere Alleinstehende plötzlich erkranken oder verunfallen und für mehrere Wochen nicht in der Lage sind, sich selbst zu versorgen? Oder wenn pflegende Angehörige vorübergehend nicht zur Verfügung stehen? Nur, das sei kein kommunales Problem, erklärt der Senator. Eingreifen und Abhilfe schaffen können die städtischen Organe nicht, denn sie sind nicht gesetzlich dazu verpflichtet und legitimiert, Leistungen zu erbringen, so wie es zum Beispiel bei der Schaffung von Kita-Plätzen der Fall sei. „Die Kurzzeitpflege gehört zum freien Markt und was nicht wirtschaftlich attraktiv ist, wird nicht geleistet“, so Bockhahn. Der Bedarf sei vorhanden und die Pflegekasse müsse die Finanzierung übernehmen.

Er appellierte an eine verstärkte Vorsorge im Alter, um rechtzeitig ein Netzwerk hilfsbereiter Nachbarn und Freunde zu schaffen, damit im Notfall niemand hilflos und alleine ist. Wer geht für mich einkaufen, erledigt wichtige Gänge? Wen kann ich anrufen? Wem würde ich meine Hilfe anbieten, wenn er mich braucht? Aber auch: An wen kann ich mich wenden, wenn ich Menschen vermisse, deren Alltagsgewohnheiten ich kenne? Die so genannten nichtprofessionellen Akteure, die Kümmerer mit sozialer Ader müssen aktiviert und die bereits bestehenden Netzwerke guter Nachbarschaft weiter ausgebaut werden. Und dann die vielen städtischen Aufgaben, die in der nachfolgenden Diskussion ergänzt wurden: Mehr Bänke, Toiletten, bessere Gehwege, die auch gut beleuchtet sind. Wir wollen in der dunklen Zeit nicht Gefangene unserer Wohnung sein. „Aber die Pflegesozialplanung in Rostock ist gut aufgestellt“, so lobt Bockhahn ein wichtiges Feld der städtischen Sozialpolitik. Und jeder, der zum Beispiel die Arbeit der Pflegestützpunkte in Anspruch nehmen musste, wird diesen Satz hoffentlich unterstreichen können.