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Ein Artikel der Redaktion NNN

Warnemünde Siiri ist 17 662 Kilometer angereist

Von MAPP | 19.06.2018, 12:00 Uhr

Warnemünderin lebt seit 1996 in Auckland und besucht zum 800. Stadtjubiläum ihre Heimat und ihre Mutter Dietlinde Francke im Seebad.

Der süßliche Geruch der Linden verkörpert für Siiri Wilkening Heimatgefühl. Die 46-Jährige ist in Warnemünde aufgewachsen und hat sich beim Sprachaufenthalt 1996 im neuseeländischen Auckland in den Sohn ihrer Gastfamilie verliebt und er sich in sie. Nach einer Woche kam ein Heiratsantrag von André Wilkening, da bat sich die Warnemünderin Zeit aus, nach vier Wochen hat er neu gefragt und sie hat Ja gesagt. Nach fünf Monaten heiraten sie an Siiris 25. Geburtstag. Inzwischen nähert sich ihre Silberhochzeit, die Kinder Sophia und Wulf haben ihr Glück komplettiert. In der Akustikfirma, wo Siiri am Anfang eine Arbeit bekommen hat, ist die Ingenieurin heute Teilhaberin. Schwiegervater Gerhard Wilkening stammt aus Bremen und hat seine Frau Noelene in Neuseeland kennengelernt und geheiratet.

Durch die Entfernung kann Siiri nur selten nach Warnemünde reisen. Denn zwischen ihrer Wahlheimat und Warnemünde liegen 17 662 Kilometer. Trotzdem versucht Siiri, ihre Mutter Dietlinde Francke ab und an zu besuchen. Jeden Sonntag skypen Mutter und Tochter und tauschen sich so aus. Für Mutter Dietlinde war es anfangs nicht leicht, dass ihr einziges Kind so weit entfernt lebt, auch, weil ihr Mann schon gestorben war.

Anfangs hatte Siiri zu Weihnachten Heimweh. Im Dezember beginnt in Auckland der Sommer, es gibt Grillpartys statt Weihnachtsbraten. Und es wird am 25. Dezember gefeiert. Das machen Wilkenings nicht, da bleibt es traditionell deutsch. Mutter Dietlinde schickt Dominosteine, Marzipankartoffeln und Dinge für das kulinarische Heimatgefühl.

Nach der Ankunft ist Siiri oft durch Warnemünde spaziert. „Ich mag das Institut für Ostseeforschung, mein Vater Eberhard hat im Institut für Meereskunde gearbeitet“, sagt sie. Vater Eberhard hat ihren besonderen Vornamen ausgewählt. „Er war bei seiner Arbeit in Finnland, von dort stammt er“, sagt Siiri. „Ich muss den Namen oft buchstabieren, weil im Zeitalter der Smartphones eine Siri mit einem i fragt, ob sie behilflich sein kann.

Jetzt genießen Mutter und Tochter die gemeinsame Zeit und den Stadtgeburtstag. Am 28. Juni fliegt Siiri wieder zurück. Voller neuer Eindrücke von Warnemünde. In ihrem Gepäck hochwertige deutsche Wertarbeit wie Messer, Brotbackbücher, weil es fast nur weißes Brot gibt.

Warnemünde hat sich verändert. „Früher gab es wenig Autos, heute viele“, vergleicht sie. Damals spielten viele Kinder auf der Straße Kantenball, es sind heute nur wenige Kinder zu sehen. Wo früher freie Kanten waren, parken Autos. Der graue Putz von einst ist bunten gepflegten Fassaden gewichen. „In der Mühle konnten wir unsere Hände vor dem Mahlen in Korn stecken, das wäre heute aus Sicherheitsgründen undenkbar“, sagt sie. Künftig wird dort eine Wohnbebauung sein. Der Strand war voller Strandkörbe, Zelte und Menschen. „Sonst nichts“, vergleicht sie. Heute haben Sportarenen und Gastronomie den Charakter verändert am Strand. Damals gab es einen Parkplatz vor der Kirche, heute ist die Fläche davor sehr gepflegt.

„Ich bin gern in Warnemünde, aber Auckland ist jetzt meine Heimat“, so Siiri.