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Rostock Silo-Sanierung verärgert Stadtmitte

Von Katrin Zimmer | 17.06.2018, 20:45 Uhr

Ortsbeirat befürwortet Pläne zur Aufwertung des denkmalgeschützten Gebäudes, lehnt Parkhausbau aber ab. Bürgerschaft soll entscheiden.

Ein grauer Betonklotz inmitten der denkmalgeschützen Silos, die spätestens zur Buga 2025 einen bedeutenden Teil der Flaniermeile am Stadthafen ausmachen sollen? Die Absicht des Reriker Windanlagenherstellers Eno Energy, ein weiteres Parkhaus am Strande zu bauen, hat der Ortsbeirat Stadtmitte scharf kritisiert. Um genug Flächen für die im Silo 1 geplanten Büros und das Restaurant im Erdgeschoss zu schaffen, will Bauherr Karsten Porm auf einem unter- und drei oberirdischen Geschossen 81 Stellplätze errichten. Bau- und Denkmalpflegeamt stimmten zu, doch der Ortsbeirat ging auf die Barrikaden.

„Wir wollen die Buga, das Rostocker Oval, eine Flaniermeile und sollen jetzt ein Parkhaus da hinsetzen? Das widerspricht doch allem, was für die Entwicklung des Stadthafens geplant ist“, sagt Ortsbeiratsmitglied Timo Viehl (Grüne). Immerhin positiv sei, dass der Investor das Silo überhaupt herrichten wolle. „Die äußere Hülle soll erhalten bleiben, das Restaurant sich mit dem historischen Umfeld ergänzen“, beschreibt Architekt Tilo Ries. Nach Prüfung sei klar, dass nicht abgerissen, sondern die Siloschächte für die geplanten Büros genutzt werden können. Auch die Gleisanlage vor dem Silo soll erhalten und in eine Terrasse eingebunden werden. Um allerdings die nach der städtischen Stellplatzsatzung geforderten 48 Flächen bereitzustellen, müsse mit dem Sanierungsantrag für das Silo 1 die Genehmigung für das Parkhaus her, erklärt der Rostocker Architekt.

Doch das schmeckt dem parkhausgeplagten Ortsbeirat gar nicht: „Ich bin ja sonst immer für Parkhäuser, aber aus rein ästhetischen Gründen geht das zwischen den Silos gar nicht“, sagt May-Britt Krüger (CDU). Ortsbeiratschef Andreas Herzog (SPD) betont: „Der Investor hat eine hohe Verantwortung, da sich das Grundstück direkt an der Kaikante befindet.“ Überhaupt habe er es 2012 auf einen Bürgerschaftsbeschluss hin nur kaufen dürfen, weil es hieß, dass er seinen Hauptsitz nach Rostock verlegen und so 300 neue Arbeitsplätze schaffen würde. Der Verkauf von wassernahen Grundstücken sei spätestens im Zuge der jüngsten Diskussion um den Teepott strikt untersagt.

Die Entwürfe nach jahrelanger Arbeit so abzuschmettern, sei ungerecht, hielt Architekt Ries dagegen. Der Beirat solle realistisch bleiben, die Stellflächen würden gebraucht. Um aber einen Kompromiss zu finden, könne er prüfen, ob tiefer in die Erde gebaut oder die Fassade verglast werden könne. „Es muss für den privaten Investor aber wirtschaftlich bleiben“, betont Ries. „Es ist eine sensible Stelle, man muss damit rechnen, dass es teuer wird“, entgegnet Ortsbeiratschef Herzog. Ohnehin sei fraglich, wie das Amt für Denkmalpflege eine Parkgarage zwischen den Silos erlauben könne.

Den Bauantrag von Eno Energy hat das Gremium abgelehnt. Stattdessen soll die Bürgerschaft die Stadt hinsichtlich des Parkhauses andere Varianten prüfen und erarbeiten lassen. Die Bürgerschaft tagt am 27. Juni.