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Ein Artikel der Redaktion NNN

Rudern So etwas ist wohl einmalig nach 50 Jahren

Von Peter Richter | 15.09.2019, 16:46 Uhr

Ein halbes Jahrhundert nach dem Europameister-Titel 1969 trifft sich der Achter des ASK Vorwärts Rostock wieder.

Zu einem besonderen Wiedersehen kam es am Sonnabend beim Olympischen Ruder-Club Rostock: Auf den Tag genau 50 Jahre später traf sich in Kessin jener DDR-Achter wieder, der am 14. September 1969 in Klagenfurt vor den Niederländern Europameister wurde. Und der insbesondere als Clubmannschaft (ASK Vorwärts Rostock) die BRD, den Achter von Ruder-Professor und -Philosoph Karl Adam, auf Platz drei verwiesen hatte – den amtierenden Olympiasieger von Mexiko 1968!

Sechs der neun Helden von damals waren in Kessin dabei: Klaus „Sachse“ Bärwald, Klaus Liefke, Wolfgang Wust, Rolf Zimmermann, Manfred Wiesner und der Dresdner „Gast“ Dieter Schubert, dazu Trainer Rudi Vogel. Von den weiteren Besatzungsmitgliedern sind Volker Thurow und Steuermann Wolfgang Wilde leider verstorben. Horst Walther konnte aus gesundheitlichen Gründen ebenso nicht teilnehmen wie Peter „Ossi“ Orsin. Jener war seinerzeit der eigentliche Schlagmann, erlitt aber einen Verkehrsunfall mit dem Rad und wurde durch Schubert ersetzt.

„So etwas ist wohl einmalig nach 50 Jahren“, äußerte Landessportbund-MV-Präsident Andreas Bluhm in seinem Grußwort. Er – ein früherer Leichtathlet, der 1969 zehn Jahre alt war – glaube, es sei wichtig, „dass man die damalige Zeit, die Tradition wach hält und auch die nötige Muße und Rückbesinnung dafür hat“. Es folgte zu einem Gläschen Prosecco eine gute Viertelstunde, wenn man so will, Gänsehaut in Schwarzweiß: die Original-Fernseh-Aufnahmen von Klagenfurt mit dem Kommentar von Reporter Harry Schulz („Neun glückliche Jungs in einem schmalen Boot“).

Staunen und Freude über das Original-Boot von damals

Bevor sich die Anwesenden alsdann dem leckeren Büfett widmeten, ging es in die benachbarte Bootshalle, wo ein ganz spezieller „Gegenstand“ die Blicke auf sich zog: Aufgebockt war dort der Europameister-Achter von 1969 mit Namen „Kosmos“, hergestellt dereinst im VEB Yachtwerft Berlin vollständig aus Mahagoni-Holz. „Der verdienstvolle Greifswalder und Schwedter Trainer Klaus Schwertfeger hat ihn vor der Säge gerettet, so dass er wieder hier im Club gelandet und heute zu besichtigen ist“, freute sich auch Walter Arnold, der Vorstandsvorsitzende des ORC. „Ich hätte nicht gedacht, dass der noch existiert“, meinte ehrfürchtig Dieter Schubert. Ihn und seine Kameraden bewegte nicht zuletzt eine Frage: „Wie schnell wären wir mit der heutigen Technik gewesen, würde mich interessieren?!“

Nach einer Rundfahrt mit dem Ausflugsschiff vom Stadthafen nach Warnemünde und zurück fand zumindest für einen Teil der „Jubilare“ und ihre Ehefrauen der 50. „Geburtstag“ mit einem Besuch beim Handball in der Rostocker Stadthalle und dem 35:18-Kantersieg des HC Empor über Schwerin einen großartigen Abschluss.