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Ein Artikel der Redaktion NNN

Weltmeister Hannes Ocik als Polizist Souveräner Auftritt auch im Einsatzanzug

Von BJAR | 19.12.2017, 21:00 Uhr

Ruder-Weltmeister Hannes Ocik aus dem Deutschland-Achter geht derzeit in seinem Beruf als Polizeimeister auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt Streife

Ein Fußballer kann in Deutschland von seiner „Kunst“ selbst in der 3. Liga sehr gut leben. Ein Ruderer muss hierzulande Weltklasse sein, um überhaupt erst mal wahrgenommen zu werden. Und Geld verdienen wird er mit dem Sport schon gar nicht. Also muss er zusätzlich studieren oder eine Ausbildung absolvieren. Und danach schlicht und ergreifend „nebenbei“ arbeiten gehen.

So auch Hannes Ocik, der als amtierender Vize-Olympiasieger und Weltmeister mit dem Deutschland-Achter seine berufliche Laufbahn als Polizeimeister bei der Bereitschaftspolizei in Waldeck beginnt. Nach einer Woche Innendienst, in der er sich unter anderem mit Stoffauffrischung beschäftigte, zum Beispiel mit dem Thema Versammlungsrecht, ging es am Montag erstmals an die frische Luft: Streifengang auf dem Weihnachtsmarkt seiner Geburts- und Heimatstadt. „Es gab keine besonderen Vorkommnisse und hat meinen Erwartungen entsprochen. Es war ein ruhiger Dienst“, bilanzierte der für die Schweriner Rudergesellschaft von 1874/75 startende Rostocker.

Und da patrouilliert er nun auf dem Neuen Markt vorbei an Fahrgeschäften, Los- und Schießbuden, inmitten von kulinarischen Attraktionen, Kunsthandwerk und Mode. Und das, wie es sich manchmal so ergibt, nicht allein mit seinem Streifenpartner, sondern zum „Debüt“ auch in Begleitung von MV-Innenminister Lorenz Caffier und Oberbürgermeister Roland Methling. „Wenn er das nicht vernünftig macht, versetze ich ihn an die polnische Grenze“, droht scherzend Ociks oberster Vorgesetzter und wendet sich dem Kartoffelpuffer-Stand zu: „Ich geb’ einen aus, Roland.“

Ja, das ist mal ein anderer Anblick als der, den die Öffentlichkeit von dem Mecklenburger Schlagmann sonst kennt: der 1,91 Meter große Ruder-Recke nicht im schwarz-weißen Renn-Einteiler oder in allen möglichen anderen Sportklamotten. Sondern im dunkelblauen Einsatzanzug, am Koppel nützliche Gegenstände wie Handfesseln, Taschenlampe und Reizgas-Sprühflasche, an der rechten Hüfte die Dienstpistole SigSauer P6, schwarze Stiefel in Schuhgröße 49,5 (!). Auf dem Kopf die den Temperaturen um den Gefrierpunkt gerecht werdende Mütze. Und dicke Socken – die wurden zwar „dienstlich nicht mitgeliefert“, seien aber natürlich momentan hilfreich.

Was fehlt, ist der Mehrzweckeinsatzstock. Das wird auch vorläufig so bleiben, denn „zuerst will ich mich, bevor ich zum 1. Februar wieder an den Bundesstützpunkt des Deutschen Ruderverbandes nach Dortmund zurückkehre, im Januar an der Maschinenpistole ausbilden lassen. Dazu bin ich bisher genau wie am MES noch nicht gekommen.“

Hannes Ocik ist an diesem Tag zum ersten Mal im Jahr 2017 auf dem Weihnachtsmarkt. Privat habe er es vorher noch nicht geschafft. Dienstlich wäre er an sich schon am zurückliegenden Wochenende von der mobilen Wache an der Fischerbastion aus im Einsatz gewesen – auf der Kröpeliner und Langen Straße, zwischen Kröpeliner Tor und Rathaus. Aber nachdem er mit dem Deutschland-Achter in London die größte Auszeichnung im Rudern überhaupt, den World Rowing Award, in Empfang nehmen durfte, folgte nur eine Woche später die nächste Ehrung: „Sportler des Jahres“-Gala im Kurhaus Baden-Baden; die deutschen Fachjournalisten hatten die Ocik & Co. hinter dem Beachvolleyball-Team Laura Ludwig/Kira Walkenhorst auf Platz zwei gewählt. Diesmal zeigte sich der Riemen-Top-Mann auf Backbord in feinem Zwirn – und hinterließ auch darin einen tadellosen Eindruck.

Zum ersten Streifengang reiste Ocik, zumindest teilweise, mit dem Flugzeug an: Montag Morgen von Karlsruhe nach Hamburg, 16 Uhr Dienstbeginn in Waldeck, am Abend Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt. „Wir sind dazu da, Streitigkeiten möglichst von vornherein zu unterbinden, dass wir angesprochen werden können, wenn zum Beispiel mal was verlustig geht, und dass wir durch unsere Präsenz dem Bürger ein Gefühl von Sicherheit geben“, so der Polizeimeister.

Da ließe sich doch das Nützliche gleich auch ganz gut mit dem Angenehmen verbinden?! Nein. Sich nebenbei einen leckeren heißen Schafskäse im Fladenbrot zu genehmigen oder gar einen Glühwein – das fällt aus. „So etwas wird im Dienst nicht gern gesehen und passt auch absolut nicht zum Streifegehen“, versichert Ocik.

Am Außendienst gefällt ihm vor allem die Ähnlichkeit mit dem Rudern – „dass man im Team arbeitet, sich mit unterschiedlichen Charakteren ergänzt, dieses viele und lange Beisammensein, wenn man ewig im Streifenwagen zusammen hocken darf. Ganz wie beim Achter…“ Und er sei „der Sportfördergruppe der Landespolizei MV super dankbar, dass es sie gibt und es mir das Land so ermöglicht, dass ich vom Dienst freigestellt werde und mich gezielt und in Ruhe auf die nächsten sportlichen Höhepunkte vorbereiten kann“.

Hannes Ocik ist mit seinen Kollegen noch bis zum Abschluss am Freitag auf dem Weihnachtsmarkt auf Streife. Und er freut sich schon auf die nächsten Bewährungsproben bei Großveranstaltungen wie Heimspielen des FC Hansa oder auch, das steht bereits fest, zu Neujahr in Warnemünde beim Turmleuchten.