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Tag des offenen Denkmals Stadtteilrundgang zeigt Schätze im Nordwesten Rostocks

Von Victoria Flägel | 13.09.2020, 18:33 Uhr

Neun Denkmäler und interessante Geschichten: Evershagen hat mehr zu bieten als nur "Platten".

18 Menschen haben sich vor der Thomas-Morus-Kirche in Rostock versammelt, um am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals am Stadtteilspaziergang durch Evershagen teilzunehmen. "Das sind gut doppelt so viele wie letztes Jahr", sagt Organisator André Axmann. Dennoch habe er mit mehr Zulauf gerechnet.

"Es gibt ja dieses Jahr keine alternative Beschäftigungsmöglichkeit." Denn dieses Mal findet der Tag des offenen Denkmals hauptsächlich digital statt. Axmann hat den Stadtspaziergang privat organisiert.

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Reinhold Schmidt ist diesmal der einzige Zeitzeuge. Er erzählt viel über die Thomas-Morus-Kirche. Zum zweiten Mal stellt der Rentner seine Expertise über den Nordwesten Rostocks bei dem alljährlichen Stadtteilspaziergang zur Verfügung.

"Ich war früher Lehrer der Polytechnik, habe ab 1992 in der Stadtverwaltung gearbeitet und da fast den halben Nordwesten gemacht".

„Viele sagen "Platte ist gleich Platte". Aber das stimmt nicht. Jeder Stadtteil hat seinen eigenen Charme. Evershagen beispielsweise mit seiner geschwungenen Bauform und den Klinkerfassaden - das finde ich schön.“
Reinhold Schmidt, Zeitzeuge beim Stadtteilspaziergang

Er lebt selbst in Evershagen. Vorher hat er in Schmarl und Lütten Klein gewohnt. Er habe sich bewusst für den Stadtteil entscheiden. "Ich hätte auch aufs Dorf ziehen können - das ist günstiger. Aber in Evershagen ist die Verkehrsanbindung gut. Falls man mal nicht mehr mit dem Auto fahren kann."

Orte des Vergessens und des kulturellen Lebens

Neun Denkmäler hat Evershagen: Sechs Giebelhäuser, der Schalenbau, der Rumpf einer Mühle in einer Gartenanlage sowie das Terrassenhochhaus. Erst letztes Jahr wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. In dem "Pilotstadtteil" der DDR - wie Axmann Evershagen nennt - sind viele Bauformen und Gebäude zu finden, die damals ganz neu waren.

Doch Axmann führt die Spaziergänger nicht nur zu Denkmälern. "Ich zeige auch Orte des Vergessens und des kulturellen Lebens." In der Willi-Bredel-Straße zeigt er auf ein unscheinbar wirkendes Gebäude. In diesem befand bis vor Kurzem die erste Kneipe Evershagens. "Und meines Wissens auch die einzige Kneipe Rostocks, die sich im Keller eines Wohngebäudes befindet." Leider hätte die Bierstube kürzlich aufgrund der Corona-Pandemie schließen müssen.

Vom Erzgebirge nach Evershagen

"Ich wohne hier, hab aber viel erfahren, was ich noch nicht wusste. Ab jetzt schau ich ein bisschen anders auf die Gebäude", sagte Evershägerin Karin Rutsatz. Seit 1973 wohnt die gebürtige Erzgebirgerin jetzt in dem Rostocker Stadtteil.

Die meisten Interessierten sind selbst aus dem Nordwesten Rostocks. Exot ist Dirk Kaden. Der Berliner kommt gern, um zu gucken, was sich verändert hat. "Der Nordwesten Rostocks hat eine einmalige Baugeschichte. Ich finde das sehr interessant".

Das ein oder andere Mal kann der Stadtplaner und Denkmalpfleger aus Berlin Axmann mit seiner Expertise aus der Patsche helfen. "Ich bin ja nur ein Ureinwohner, kein Experte", entschuldigt sich Axmann, wenn er mal eine Frage nicht beantworten kann.

"Ich hätte gerne der jüngeren Generation erzählt, in was für einer besonderen Umgebung sie wohnen. Nicht nur denen, die das in ihrer Jugend hier selbst erlebt haben", bilanziert Axmann.