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Rostock Stadt eröffnet Konto für Naturschutz

Von Christine Weber | 14.02.2012, 12:46 Uhr

Noch fließt der Dragunsgraben kanalisiert und recht gerade durch die Felder westlich von Lütten Klein.

Doch schon im nächsten Jahr könnte das Gewässer renaturiert werden. Die Planungen dazu laufen, denn die Maßnahme zur Landschaftspflege soll die erste auf dem so genannten Rostocker Ökokonto sein.

Für das Konto soll es in diesem Jahr eine Anschubfinanzierung von 200 000 Euro geben. Mit seiner Hilfe sollen zukünftig in Rostock Maßnahmen zum Grünflächenausgleich koordiniert werden. Wie das funktionieren soll, erklärt Dr. Stefan Neubauer, Leiter des städtischen Amtes für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege: "Wenn ein Eingriff in die Natur, etwa durch einen Investor, unvermeidbar war, gab es bisher immer eine vertragliche Regelung über den Ausgleich." Für gefällte Bäume oder versiegelte Flächen musste der Bauherr einen Ersatz schaffen. Dazu ist er nach wie vor gesetzlich verpflichtet. In der Regel passierte der Ausgleich manchmal auf dem gleichen Grundstück, manchmal an anderer Stelle - bislang aber erst nach dem eigentlichen Eingriff in die Natur.

Mit dem Ökokonto soll sich das nun ändern: "Die Stadt geht dabei sozusagen in Vorleistung", erläutert Neubauer. "Wir suchen ein sinnvolles Projekt heraus und beginnen schon mal mit der Naturschutzmaßnahme. Das Ganze wird dann nach Punkten bewertet", so Neubauer. Die Beurteilung übernehmen die Naturschutzbehörden nach einer komplexen Berechnungsgrundlage des Landes. Dort wird auch ein zentral vernetztes Kataster geführt. "Wenn später beispielsweise ein Investor kommt, der einen unvermeidlichen Eingriff in die Natur verursacht, kann er die vorab geleistete Maßnahme ankaufen", sagt Neubauer. Denn auch die Schwere seines Eingriffs werde nach der Punkteskala bewertet. So fließt wieder Geld auf das Konto, mit dem dann schon die nächste Kompensationsmaßnahme gestartet werden kann.

Projekte können gebündelt werden

Aus Sicht des Grünamtsleiters bietet das Ökokonto-System Vorteile. "Damit können Maßnahmen leichter gebündelt werden. Verzögerungen und der Zeitdruck fallen weg", sagt Neubauer. Außerdem seien die Projekte aus Sicht der Stadt besser langfristig steuerbar. Für Investoren soll das Ökokonto ebenfalls eine Verbesserung bringen, weil lange Planungen und Ausschreibungen wegfallen. Investorenfreundlichkeit war ursprünglich einer der Beweggründe, warum die Bürgerschaft 2010 den Beschluss zu einem Ökokonto fasste. Im vergangenen Jahr haben mehrere Ämter in der Stadtverwaltung zusammen die Voraussetzungen geschaffen, sodass mit der diesjährigen Haushaltsgenehmigung der Startschuss fallen kann.

Doch das neue System birgt auch Risiken. Neubauer weist darauf hin: "Bis jetzt wissen wir nicht, wie gut Bauherren und Investoren das Ökokonto annehmen werden." Bislang hätten viele die Ausgleichsmaßnahmen, zu denen sie verpflichtet wurden, lieber selbst geplant, ausgeschrieben und vergeben, als das der Stadt zu überlassen. Neubauer ist außerdem besorgt, dass der Vermeidungsgrundsatz ins Hintertreffen geraten könnte. "Denn der steht schließlich immer noch an erster Stelle", sagt er. Darauf müsse weiter geachtet werden.

Laichgebiete und Schutz für Wildtiere

Das Dragunsgrabengebiet jedenfalls soll als erste Fläche von dem neuen Projekt profitieren. In seiner Lage zwischen Lütten Klein, Elmenhorster Weg und der Landstraße zwischen Lichtenhagen und Elmenhorst dient es schon jetzt vielen Schwänen als Rastplatz. "Wir wollen Kleingewässer und Sölle renaturieren, um Amphibien mehr Laichgebiete zu bieten", sagt Neubauer. An den Randflächen sollen Gehölze und Sträucher gepflanzt werden, in denen größere Tiere wie Hasen oder Rebhühner Schutz finden. Die Renaturierung soll auch dazu führen, dass Niederschläge besser aufgenommen werden können.

Darüber hinaus haben Neubauer und seine Kollegen schon Ideen für weitere Projekte für das Ökokonto. "Die sind aber noch nicht so konkret wie für das Dragunsgrabengebiet", sagt er. Die Planung dafür soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Der Bau soll 2013 beginnen.