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Flüchtlinge in Rostock Stadt stößt an Grenzen

Von TOHI | 17.03.2015, 12:00 Uhr

Sozialsenator Bockhahn: „Auf diese Größenordnung sind wir absolut nicht eingestellt gewesen“. Feuerwache wird zur Notunterkunft.

Das Asylbewerberheim in der Satower Straße ist mit 313 gemeldeten Bewohnern völlig überfüllt. Auch an dezentralen Wohnungen fehlt es. „Unsere Kapazitäten sind vollumfänglich erschöpft“, sagt Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Statt wie bisher im Zweiwochenrhythmus kommen mittlerweile wöchentlich neue Flüchtlinge aus der zentralen Aufnahmestelle in Horst/Nostorf nach Rostock. Bis zur Ankunft hat die Stadtverwaltung für die umfangreichen Formalitäten und die Platzsuche nur fünf Tage Zeit.

Schon jetzt mussten 28 Flüchtlinge, darunter zwei schwangere Frauen und ein zweijähriges Kind, in die Feuerwache See in Groß Klein ausquartiert werden. „Ich war selbst vor Ort und bin sehr erschüttert“, sagt Jutta Reinders (Linke), Mitglied im Sozialausschuss. Die Flüchtlinge wohnen dort in Zimmern, die eigentlich zur tageweisen Unterbringung von Feuerwehrleuten auf Fortbildung gedacht sind. Es gibt keine Schränke oder Nachttischlampen, nur jeweils eine Dusche und Toilette für Männer und Frauen, einen Ofen, dafür viele verschiedene Nationalitäten, Religionen und kulturelle Hintergründe. „Da ist Konfliktpotenzial gegeben“, sagt die betreuende Sozialarbeiterin Miriam Daoud vom Ökohaus.

Derzeit sind in der Feuerwache Asylbewerber aus Albanien, Serbien, Ghana, Somalia, Syrien und der Ukraine untergebracht. Schon die unterschiedlichen Essens-, Putz- und Abwaschgewohnheiten sorgen für Zündstoff in der unfreiwilligen Wohngemeinschaft, so Daoud. Ihr Kollege Steffen Vogt sagt: „Die Unterbringung dort ist deutlich schlechter als in der Gemeinschaftsunterkunft Satower Straße.“ In der näheren Umgebung gibt es weder Supermarkt noch Apotheke, selbst bis zur nächsten Bushaltestelle ist ein ordentlicher Fußmarsch erforderlich. Schnell einen Arzt zu besuchen, ist für die beiden Schwangeren daher beispielsweise schwierig. „Die sitzen dort und langweilen sich“, sagt Daoud.

Die Ausstattung zu verbessern oder bauliche Veränderungen vorzunehmen, das lehnt Senator Bockhahn unter Verweis auf die nicht dauerhaft geplante Nutzung ab. Dabei gebe es keine anderen Optionen für Gemeinschaftsunterkünfte. „Dass die Situation in der Feuerwache nicht gut ist, wissen wir alle, aber die nächste Alternative heißt Turnhalle“, sagt er. Und bis die Einrichtung in der Satower Straße ausgebaut ist, dauert es noch Wochen beziehungsweise Monate. „Auf diese Größenordnung sind wir als Stadt absolut nicht eingestellt gewesen“, sagt Bockhahn.

Er setzt nun auf die Hilfe der Rostocker Wohnungsunternehmen. Neben der Wiro stellen auch die Neue Rostocker und die WG Rostock Süd Wohnungen. Das Problem: Viele davon müssen noch eingerichtet werden. Möbelgutscheine gibt es aber erst nach einem Aufenthalt der Betroffenen in der Gemeinschaftsunterkunft – die schon jetzt überfüllt ist. Derzeit gibt es nicht einmal einen Lagerraum, um gespendete Möbel unterzubringen. „Wir haben viele, die helfen wollen, können diese Hilfe aber nicht annehmen“, so Bockhahn. Aufgrund der vollständigen Beanspruchung der sechs Sozialarbeiter in der Gemeinschaftsunterkunft gelte das zum Teil auch für andere Hilfsangebote, so Steffen Vogt. „Wir können das bei dem Arbeitsaufkommen nicht organisieren“, sagt er. Hilfswillige könnten aber beispielsweise fertig konzipierte Sportangebote, Ausflüge oder Angebote zum Musizieren am Schwarzen Brett aushängen und die Flüchtlinge so ins tägliche Leben einbinden.