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Kultur Staraufgebot für das Volkstheater

Von Redaktion svz.de | 11.06.2015, 15:00 Uhr

Richard-Wagner-Gala setzt kulturpolitisches Zeichen

Kein Platz ist leer geblieben Mittwochabend im Rostocker Theater zur Vorstellung „Opernstars für das Volkstheater Rostock!“. Die Richard-Wagner-Gala wollten sich viele nicht entgehen lassen. Sopranistin Manuela Uhl und Tenor Klaus Florian Vogt, die sonst Aufführungen in Tokyo, Sevilla oder New York kleiden, brachten ein Potpourri aus Wagners Opern – „Tannhäuser“, „Die Meistersinger von Nürnberg“, „Die Wallküre“ und „Lohengrin“.

„Er nimmt die höchsten Töne, sie die besonders komplizierten“, so Dirigent Roman Brogli-Sacher schon im Vorfeld. Das Repertoire des Schweizers umfasst 80 Opern. Er war der dritte Stargast und verzichtete ebenfalls auf seine Gage, um ein Statement für das Theater zu setzten, ihm zu helfen. Wagner und dann noch so fulminant hatte das Orchester seit Jahren nicht mehr gespielt. Dabei hat der begnadete Wagner (1813-1883) Tradition in Rostock. „1863 wollte das Theater ,Lohengrin’ aufführen“, berichtet Konzertdramaturgin Corina Wenke. Wagner erließ dafür den Rostockern Geld, damit sie die Oper der Stadt bieten konnten. Seinem Beispiel folgten die gestrigen Gäste.

Die Gala war bewusst eine solche, keine ganze Oper, sondern sollte über die Vielfalt Lust auf Mehr machen, auf Musiktheater – das in Rostock dem Rotstift zum Opfer fallen und nur noch über den Einkauf von Künstlern aus anderen Städten möglich sein soll. „Ich bin ein Verfechter der kleinen Häuser“, sagt Vogt, „sie bieten die Möglichkeit zu wachsen.“ Er kommt selbst aus einem 14 000-Seelen Ort. Kleine Häuser seien es, die große Talente machen. Und so klein ist Rostock nicht einmal. Es hat einen Ruf zu verlieren. Die US-amerikanische Opernsängerin Lotte Lehmann (1888-1976) sang in Rostock, Richard Strauss (1864-1949) wirkte hier, sagt Kulturjournalist, Hans-Jürgen Mende, der die Gala mit Intendant Sewan Latchinian initiierte. Zumindest darum solle es den Politikern gehen, Schritt halten zu können mit anderen Städten, anderen Bundesländern, befindet Theatergeschäftsführer Stefan Rosinski. Kultur und Bildung müssten überall gleich gut verfügbar sein.

Die Gala sollte selbst ein kleiner kulturpolitischer Protest sein: Das Orchester spielte wieder Wagner, die Tradition, Kultur möglichst vielen ermöglichen zu wollen, blühte. Rührung beim Musikalischen im Publikum und Zustimmung zu der flammenden Ansprache von Mende.