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Schnelles Internet Streit ums Netz

Von TOHI | 05.03.2015, 08:00 Uhr

Ausbaupläne der Landesregierung benachteiligen kleine und mittelständische Unternehmen. Kritik an rückständiger Technologie.

Online einen Film sehen, E-Mails mit einer größeren Datei öffnen, die NNN digital lesen – schon kurz hinter Rostocks Stadtgrenze kann das zur Herausforderung werden. Insbesondere, wenn mehrere Nutzer zeitgleich über einen Anschluss im Internet surfen. Rund um Stäbelow, Bentwisch oder Klein Kussewitz müssen viele Einwohner derzeit mit einer verhältnismäßig geringen Breitbandverbindung leben. Von flächendeckenden 50 Megabit pro Sekunde – Ziel der digitalen Agenda der Bundesregierung bis 2018 – sind sie weit entfernt. In der Regel erreichen sie Surfgeschwindigkeiten zwischen zwei und 16 Megabit pro Sekunde.

Um dieses landesweite Problem zu beheben, sollen die Netze ausgebaut werden. Allein in den ländlichen Regionen sind 400 000 Haushalte betroffen. Das Breitbandkompetenzzentrum MV hat das Land für die Modernisierung in 16 Bereiche unterteilt, die sich nach der Telefonvorwahl richten. Diese so genannten Cluster sollen jeweils als Ganzes ausgeschrieben werden – ein Vorhaben, gegen das die drei Unternehmerverbände im Land Sturm laufen. „Die Clustergröße schließt kleine und mittelständische Unternehmen aus“, sagt Wolfram Jeske, der mit seiner Firma Telcomm Jeske seit zehn Jahren in dem Geschäft mitmischt. Sie können das jeweils benötigte Investitionsvolumen von 50 bis 70 Millionen Euro und mehr nicht aufbringen.

Nutznießer seien am Ende Großkonzerne wie die Deutsche Telekom. Das aber liege weder im Interesse der Kunden noch der etwa 20 Unternehmen, die in MV ihren Sitz haben und in Netzplanung, -ausbau und -betrieb tätig sind, sagt Frank Haacker, Präsident des Unternehmerverbands (UV) Rostock-Mittleres Mecklenburg: „Auch die Telekom kann nicht überall gleichzeitig bauen.“ Durch die Ausschreibung kleinteiliger Cluster könne der Netzausbau deutlich schneller ablaufen und lokale Unternehmen würden gestärkt. Eine Bevorzugung der Telekom hätte darüber hinaus einen weiteren gewichtigen Nachteil zur Folge, so Unternehmer Jeske: „Damit wird eine Brückentechnologie favorisiert.“

Denn die Telekom setze auf die Technik Fiber to the Curb (FTTC) mit Vectoring. Das bedeutet, statt das Glasfaserkabel bis zum Haus zu verlegen, reicht es nur bis zum Verteilerschrank am Gehweg. Anschließend werden die vorhandenen Kupferkabel genutzt, auf denen sich Bandbreiten von 50 Megabit pro Sekunde und mehr nur über etwa 600 Meter übertragen lassen. Viele Haushalte in MV seien aber weiter von den Verteilerschränken entfernt. Zudem schließe das Vectoring die Nutzung der Kabel durch mehr als einen Anbieter aus. Die Telekom hätte damit eine Monopolstellung.

Die FTTC-Lösung ist im Vergleich zu Glasfaseranschlüssen erheblich kostengünstiger. Sie bietet allerdings keinen Spielraum für eine künftige Erhöhung der Bandbreite. Dabei sei schon heute abzusehen, dass 50-Megabit-Verbindungen 2018 zu wenig sein werden, so Jeske.