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Seehafen "Svenja" auf Jungfernfahrt

Von Torben Hinz | 12.12.2010, 07:36 Uhr

Langsam hebt der Schiffskran der "Svenja" den ersten von acht Caterpillar-Motoren an.

Die Gewichtsanzeige bei Kapitän Rüdiger Bauer auf der Brücke schnellt auf 200 Tonnen hoch, als die Fracht sich in der Luft befindet. Kein Problem für den auf bis zu 1000 Tonnen ausgelegten Kran, von dem das Spezialschiff gleich zwei an Bord hat.

Am Wochenende hat der frisch getaufte Neubau des Schifffahrtskontors Altes Land (SAL) den Rostocker Hafen zum ersten Mal angelaufen. "Die ,Svenja ist momentan das stärkste Schwergutfrachtschiff der Welt", sagt Bauer. Auch sehr sperrige und schwere Ladung wie die Caterpillar-Motoren oder lange Rohre bewältigt sie ohne Probleme. Zielort der aktuellen Fahrt ist Chittagong in Bangladesch.

"Unsere Hauptroute geht nach Nah- und Fernost", sagt der Kapitän. Also mitten durch das Piratengebiet vor Afrika, weswegen in die "Svenja" ein Schutzraum eingebaut wurde. Von dort aus kann die 21 Mann starke Besatzung aus Deutschen und Filipinos im Angriffsfall das komplette Schiff lahmlegen, bis Hilfe eingetroffen ist. "Der Raum ist so versteckt, dass ein Fremder ihn kaum finden kann", sagt Bauer. Er geht aber nicht davon aus, ihn überhaupt benutzen zu müssen. Zuvor müssten die Piraten erst einmal an Bord gelangen. Um das zu verhindern, kann der Kapitän dank des mit Dynamic Positioning 1-System ausgestatteten Antriebs einen Strudel an der Bordwand erzeugen. Sollten die Seeräuber es dennoch bis zum Schiff schaffen, erwartet sie eine Art Niagarafall. "Ich kann von oben Wasser überlaufen lassen", sagt Bauer. Das Wichtigste sei es, die Piraten überhaupt zu bemerken.

Dabei hilft der Besatzung modernste Technik - ein Grund, warum SAL den 60 Millionen Euro teuren Frachter auf der Hamburger Sietas-Werft bauen ließ. "Die berücksichtigen auch Sonderwünsche, anders als bei den Schiffen von der Stange in China", sagt Bauer. Nun kann die "Svenja" bei gutem Wetter selbst auf hoher See ihre Ladung an Bohrinseln, Plattformen oder an Schiffe abgeben.