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Rostock Teurer Tunnel oder günstige Brücke?

Von Christine Weber | 23.04.2012, 09:07 Uhr

Langer Tunnel, kurzer Tunnel, Fußgängerbrücke oder Plateau? Für die Überquerung der L22 im Bereich Stadthafen hat die Stadtverwaltung jetzt eine umfassende Verkehrsuntersuchung vorgelegt.

Darin werden sieben Varianten nach Vorteilen, Nachteilen, Kosten und der Umsetzbarkeit unter die Lupe genommen. Die Untersuchung, die das Ingenieurbüro SHP aus Hannover angefertigt hat, ist eine Vorarbeit für den städtebaulichen Wettbewerb für das Areal Christinenhafen/Bussebart, wie Ralph Müller, Leiter des Amtes für Stadtplanung, sagt. In diesem Gebiet soll nach jetzigem Stand später auch ein Theaterneubau entstehen.

Die Überbrückung der vielbefahrenen Straße ist eines der wichtigsten Projekte, die Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) in seiner zweiten Amtszeit anschieben will. Ziel ist es, die Innenstadt näher an den Stadthafen und ans Wasser zu rücken. Bereits Ende Februar hatte Methling seine Vorzugsvariante präsentiert: ein 350 Meter breites, autofreies Plateau über die leicht abgesenkte L22. Doch Kritik kam daraufhin von den Fraktionen der Bürgerschaft: Sie wollten alle Varianten und Kostenschätzungen sehen. Jetzt hat die Verwaltung das komplette Papier den Ortsbeiräten, Ausschüssen und der Bürgerschaft als Informationsvorlage gegeben. Darin zeigt sich, dass die Ingenieure neben der Plateau-Lösung auch dem 1,5 Kilometer langen Tunnel eine ähnlich gute Punktzahl in der Bewertung gegeben haben. In der Variante verschwinden die etwa 37 000 Autos pro Tag zwischen Kanonsberg und Silohalbinsel unter der Erde. Der Stadthafen ist auf der ganzen Breite von der City aus für Fußgänger und Radler gut zu erreichen. Allerdings hat das seinen Preis: Die Ingenieure rechnen mit 150 Millionen Euro für den Bau plus erheblichen Instandhaltungskosten. Dem gegenüber ist das Plateau mit sieben bis zehn Millionen Euro geradezu kostengünstig.

Am sparsamsten werden mit zwei bis fünf Millionen Euro die Varianten Brücke und Fußgängertunnel eingeschätzt. Aber auch sie bergen Nachteile: Für eine Fußgängerunterführung müsste die L22 zwischen Schnickmannstraße und Wokrenter Straße auf bis zu 1,40 Meter angehoben werden. Die Sichtachsen auf das Wasser aus Richtung City wären unterbrochen. Eine Fußgängerbrücke schafft es aus Sicht der Verkehrsplaner nicht, die Trennwirkung der stark befahrenen L22 zu verringern.

Neben den besonders gewichteten Bewertungskriterien Städtebau, Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit wurden außerdem die Benutzbarkeit des Stadthafens bei Veranstaltungen, geringe Werte bei Lärm und Abgas, Radwegeverbindungen, Hochwasserschutz sowie die Förderfähigkeit eingestuft.

Bis auf die Varianten mit einem Fußgängertunnel oder einer Stillegung der L22 liegen alle Vorschläge relativ dicht beieinander. Der Ideen-Wettbewerb, der auf diesen Ergebnissen aufbauen soll, startet nach jetzigen Plänen 2013.