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Norddeutsche Neueste Nachrichten Theater appelliert ans Land

Von Juliane Hinz | 26.04.2012, 09:28 Uhr

Die Mitarbeiter des Volkstheaters haben sich gestern in die landesweiten Proteste gegen die Kulturpolitik des Landes eingereiht.

Bei einer Demonstration vor dem Großen Haus brachten sie eine symbolische FAG-Mauer zu Fall. Mehr als hundert Kulturschaffende und Freunde des Theaters reihten sich in den Protest ein. Parallel dazu berät die Landesregierung in diesen Tagen die Zukunft der Theater- und Orchesterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern.


Zum Hintergrund: FAG steht für Finanzausgleichsgesetz. Dahinter verbirgt sich ein System, nach dem Steuermittel vom Land an die Theater in kommunaler Trägerschaft ausgereicht werden. Die Höhe der Zuschüsse an die einzelnen Bühnen richtet sich nach der Anzahl der verkauften Karten. Der Etat dafür ist allerdings seit 1994 festgesetzt auf 35,8 Millionen Euro. Trotz steigender Ausgaben für die Theater beispielsweise durch Tariferhöhungen hat das Land seine Zuweisungen nicht erhöht. Mehr noch: Bildungsminister Matthias Brodkorb (SPD) hat bereits angekündigt, dass der Etat auch in Zukunft eingefroren bleiben wird.


Von einer Mauer, die die Politik mit dieser Maßnahme um sich gezogen hat, spricht Nils Pille, Betriebsratsvorsitzender des Volkstheaters. Den Protest sieht er als Signal an Schwerin: „Es ist der eindringliche Appell, die Zuschüsse endlich zu erhöhen.“ In einem Flächenland wie MV sei eine Grundversorgung der Bürger nur möglich, wenn alle Theater erhalten und gefördert werden.

Intendant Peter Leonard, der an der Kundgebung teilnahm, betonte die Bedeutung der Theater als Standortfaktor für MV: „Die Investition in Kultur ist darum in jeglicher Hinsicht auch wirtschaftlich sinnvoll.“ Er setzt Hoffnungen in den vom Kultusminister angeschobenen Dialog, zu dem derzeit eine Umfrage unter den Theatern läuft. Auf dieser Grundlage soll ein neues Landeskonzept entwickelt werden. Auch eine Fusion der Norddeutschen Philharmonie und der Mecklenburgischen Staatskapelle ist nach wie vor nicht vom Tisch. „Dabei ist eine Zusammenlegung zweier Orchester aus Städten, die so weit voneinander entfernt liegen, rein organisatorisch gar nicht möglich“, so der Intendant. Betriebsratschef Pille bringt es auf den Punkt: „Künstler gehören auf die Bühne, nicht in einen Bus.“