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Typisch Rostock Thomas Ebeling brennt für Rostock

Von tohi | 18.06.2018, 12:00 Uhr

Familienmensch Thomas Ebeling prägt die Freiwillige Feuerwehr Groß Klein und seinen Stadtteil.

Liebe Leserinnen,

liebe Leser!

In wenigen Tagen, am 24. Juni, wird Rostock 800 Jahre alt. Die NNN stellen bis dahin in einer Serie sieben Rostocker vor, die exemplarisch für „Typisch Rostock“ stehen. Zudem wollen wir im weiteren Verlauf des Jubiläumsjahres unter den Motto „Ich mag Rostock – Wir auch“ darüber berichten, was Rostock für Sie, liebe Leserinnen und Leser, ausmacht. Was finden Sie lebens- und liebenswert. Schreiben Sie uns aber auch, wo es aus Ihrer Sicht Verbesserungswürdiges gibt. Wir freuen uns auf Post von Ihnen.

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Sich einfach mal auf der Couch lang zu machen, das hält Thomas Ebeling gar nicht aus. „Es gibt nur An oder Aus“, sagt der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Groß Klein. „Das ist bei meiner Frau auch so.“ Kennen- und liebengelernt haben die beiden sich – natürlich – bei der Feuerwehr, damals noch in Warnemünde. Später zogen sie in eine Eigentumswohnung in Groß Klein Dorf, in der sie immer noch glücklich mit ihren beiden Töchtern leben.

Der 35-Jährige ist ein Familienmensch und das überträgt er auch auf seine zweite Liebe, die Feuerwehr. „Das ist ein Schlüssel zum Erfolg“, sagt Ebeling. „Selbst, wenn die Frau oder der Mann eines Kameraden oder einer Kameradin nicht bei uns aktiv ist, binden wir sie mit ein – das ist alles sehr familiär gehalten.“ Ohne den Rückhalt im eigenen Heim seien die 300 bis 900 ehrenamtlichen Einsatzstunden im Jahr für die knapp 100 Mitglieder auch kaum zu leisten.


Ein Vorkämpfer für andereKinder- und Jugendarbeit, Wettkämpfe, Aus- und Weiterbildung, Verpflegung von Lehrgangsteilnehmern, Gemeinschaftsaktionen – da kann das Privatleben schon mal etwas zu kurz kommen, weiß Ebeling aus eigener Erfahrung: „Es gibt durchaus den ein oder anderen Freund, der reklamiert, dass er uns auch gerne mal wieder gesehen hätte.“ Für andere hat sich der heutige Verdi-Gewerkschafter schon früh in seinem Leben stark gemacht. Aufgewachsen ist er in Evershagen, die Schulzeit verbrachte er unter anderem in Lütten Klein, seine Lehre zur Fachkraft für Brief- und Frachtverkehr in Lichtenhagen und den Karrierebeginn in Warnemünde. „Im Nordwesten bin ich schon ein bisschen rumgekommen, bis auf Schmarl waren alle Stadtteile ein bisschen dabei“, so Ebeling, der bereits in der Lehre in die Jugendvertretung der Deutschen Post gewählt wurde. Später war er im Betriebsrat aktiv, „von da aus ging es zur Gewerkschaft“. Damit verbunden war allerdings ein Pendlerdasein nach Hamburg. Vier Jahre lang, mit Zweitwohnsitz in der Elbmetropole. Leicht war das nicht immer. „Ich bin froh, dass die Familie es mitgemacht hat“, sagt Ebeling. Gerade die beiden Töchter seien nicht begeistert gewesen, wenn ihr Vater nach dem Wochenende wieder los musste. Doch das ist mittlerweile vorbei. „Als in Rostock eine Stelle frei wurde, habe ich mich beworben.“ Jetzt arbeitet Ebeling im Haus der Gewerkschaften in der August-Bebel-Straße. Er sagt: „Ich freue mich, dass ich wieder in die Heimat durfte.“ Viel unterwegs ist er in seiner Funktion trotzdem noch im Norden. „Ich fahre nach wie vor viel Zug – da merkt man, wie viele Pendler unterwegs sind auf der Strecke.“

An der tiefen Verbundenheit der Rostocker zu ihrer Stadt sei durchaus was dran. „Wir wohnen auf einem schönen Fleckchen Erde“, schwärmt der Hansestädter. „Und wer hat schon so viel Wasser vor der Tür?“ Sogar sein Schwager aus Bayern sei überzeugt davon, seinen Lebensabend in Rostock verbringen zu wollen. Das Ostseebad Warnemünde sei ein Schmuckstück und eine mögliche Bundesgartenschau 2025 eine große Chance für die Innenstadt. Allerdings mahnt der Groß Kleiner, der dort für die SPD im Ortsbeirat sitzt, darüber die anderen Stadtteile im Nordwesten und -osten nicht zu vergessen. Deswegen hatte er sich beispielsweise auch für den Verbleib des Traditionsschiffs im IGA-Park stark gemacht. Mit dem gesamten Gelände „hat die Stadt ein riesen Potenzial – und das muss genutzt werden“. Wünschenswert seien zum Beispiel wieder mehr Open-Air-Konzerte, die Realisierung eines Martimen Museums und auch den Bau einer kombinierten Schwimm- und Eishalle würde Ebeling im IGA-Park sehr begrüßen. „Für den Nordwesten spielt Sport eine große Rolle“, betont er. Gleiches gelte für Ordnung und Sicherheit oder den öffentlichen Nahverkehr.

Als Ortsbeiratsmitglied weiß Ebeling aber auch, wie schwer manche Veränderungen durchzusetzen sind. Das beginne schon bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie dem Wunsch nach mehr Mülleimern im Stadtteil. Wenn die Verwaltung dann erkläre, sie müsse für jeden neuen Mülleimer einen anderen abschrauben, sei das kaum nachzuvollziehen. „Da muss man teilweise Klimmzüge machen“, so Ebeling.


Am Stadtgeburtstag natürlich in UniformGenerell ist er aber sehr optimistisch und ein Stück weit stolz, was die Entwicklung seines Stadtteils angeht. „Er ist wieder gefragter“, sagt der 35-Jährige mit Verweis auf die rege Bautätigkeit: „Die entstandenen Lücken werden aufgefüllt.“ Und das nicht nur durch lokale Wohnungsgenossenschaften, sondern auch durch private Investoren wie das schleswig-holsteinische Unternehmen Semmelhaack. „Der Stempel als angeblicher sozialer Brennpunkt lässt nach, es kommen mehr Menschen in Arbeit“, so Ebeling. Den bevorstehenden Stadtgeburtstag wird er natürlich in der Uniform der Freiwilligen Feuerwehr verbringen. Dann kümmert er sich wieder um das Wohl der anderen. Denn „ich bin nicht in die Feuerwehr eingetreten, um Wehrführer zu werden, sondern um Hilfestellung zu geben, wenn sie gebraucht wird“.