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Demo gegen die Fischerei Tierrechtsaktivisten geraten mit Warnemündern aneinander

Von Toni Cebulla | 28.03.2021, 14:54 Uhr

Beide Seiten machten ihrem Unmut zum Thema Fischerei Luft. Viel Zeit für Dialoge blieb im Eifer des Gefechts nicht mehr.

Eigentlich wollten die Rostocker Tierrechtsaktivisten von Animal Rights Watch (Ariwa) und Rostock Animal Save am Sonnabendvormittag vor dem Warnemünder Fischmarkt in kleinem Kreis für das Ende der Fischerei demonstrieren. Doch vor Ort stießen sie auf eine große, spontane Gegendemonstration, die bereits auf sie gewartet hatte. Gelegenheiten zum inhaltlichen Austausch gingen dabei meist in den hochkochenden Emotionen unter.

Demonstranten hielten Plakate am Fischmarkt hoch

Den Aktivisten ging es darum, einen neuen Blick auf den Umgang mit Fischen zu ermöglichen. „Mit Plakaten und Videos wollen wir auf das Leid der Tiere aufmerksam machen und die Menschen dafür sensibilisieren“, sagte Juliane Schaber, Co-Vorsitzende beider Ortsgruppen, im Vorfeld der Demo. Massentierhaltung, millionenfache Tötung von Fischen in Aquakulturen und überfischte Weltmeere – die Liste der Kritikpunkte ist lang. „Fische sind klug und spüren Schmerz“ oder „Fische können Quecksilber und Mikroplastik enthalten“ war auf den Bannern der Aktivisten zu lesen.

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Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der angemeldeten Demonstration hatten sich rund 20 Warnemünder vor dem Fischmarkt eingefunden. „Wir haben uns hier versammelt, mit Fischern und Anglern, um für die Fischerei einzustehen. Der Ort ist sehr mit dieser Tradition verbunden und wir wollen sie uns nicht wegnehmen lassen“, sagte die Warnemünderin Monika Kadner. Das Problem sei die globale Schleppnetzfischerei, nicht die geringen Fangmengender lokalen Ostseefischer. Einer der Gegendemonstranten hatte sogar ein eigenes Schild vorbereitet mit der Aufschrift „Ostseefisch auf jeden Tisch“.

Gegendemonstranten unterstellten Aktivisten Unwissenheit

Beide Seiten verstanden die Anwesenheit der Gegenseite als Provokation. Die Warnemünder hatten sich in dem Bereich eingefunden, den die Aktivisten für ihre Demo angemeldet hatten. Erst knapp eine halbe Stunde später traf die Polizei ein, um das Versammlungsrecht der Aktivisten durchzusetzen, sodass diese ihre Aktion fortsetzen konnten.

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„In meiner ganzen Familie gab es Fischer, ohne die Fänge wären wir in den Nachkriegsjahren verhungert. Was diese Leute hier fordern, ist Quatsch. Offensichtlich haben sie keine Ahnung“, erklärte eine Gegendemonstrantin.

Kaum hatten sich die Aktivisten mit ihren Plakaten aufgestellt, kochten die Emotionen hoch. Von Kopfschütteln bis Beleidigungen mussten sich vor allem die Aktivisten viel anhören. „Die Fischer halten sich an die Fangquoten, dafür gibt es sie ja. Was soll dieser Unsinn?“, hieß von der Seite der Gegendemonstranten.

Fischfang aus ökologischer und ethischer Sicht hinterfragen

Nachdem sich die Gemüter wieder abgekühlt hatten und ein Großteil der Gegendemonstranten gegangen war, kamen vereinzelt auch inhaltliche Gespräche zustande. „Wir hatten mit der Konfrontation gerechnet. Wir wollen niemandem dem Job oder eine Tradition wegnehmen. Es geht uns auch nicht darum, Fischer oder Angler zu denunzieren. Dennoch müssen solche Dinge hinterfragt werden, aus ökologischer und ethischer Sicht“, so Aktivist Dirk Schaber.

Bundesweit fanden an diesem Tag Veranstaltungen statt, die Rostocker Aktivisten schlossen sich einem weltweiten Demonstrationsaufruf zum 5. Welttag des Endes der Fischerei an.