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See und Hafen Tonnage hat sich vervierfacht

Von RFRA | 20.06.2018, 05:00 Uhr

Nautischer Verein Rostock lotet Fragen des Kreuzfahrtstandortes aus. Herausforderung treibt Logistik an die Grenzen der Möglichkeiten.

Der Kreuzfahrtstandort Rostock boomt, die große Anzahl der Schiffsanläufe, insbesondere, wenn sie kompakt erfolgen, bringt Kapazitäten aber bereits an die Grenzen der Möglichkeiten. Darauf machte eine Veranstaltung des Nautischen Vereins aufmerksam. Ein Fünffachanlauf sei ja ein schönes Luftbild, „aber wir kriechen auf dem Zahnfleisch, wenn es darum geht, Landausflüge für die mit den Schiffen angereiste Gästeschar zu organisieren“, erklärt Ines Lenz, Chefin der Agentur VIP Hanse-Touring. Busse fehlen, heimische Unternehmen sind diesem geballten Ansturm nicht gewachsen, weitere Investitionen für einen überschaubaren Zeitraum würden sich aber nicht amortisieren. So sind aus benachbarten Bundesländern Kapazitäten zu ordern und es gehe nicht um 4-Sterne-Komfort mehr, sondern nur noch um Fahrzeuge schlechthin, erklärt die Dienstleisterin.

Sie sei mit ihrem Team deshalb nicht unglücklich, wenn eine große Anzahl der Gäste von den Schiffsriesen mit Zügen nach Berlin rollt, lässt sie durchblicken. Sie wünscht sich eine Entzerrung der Anläufe, denn die Qualität der Betreuung zu halten, erweise sich als sehr schwierig.

Es sei eine Herausforderung an die Logistik, der sich Hafenbetreiber und Dienstleister zu stellen haben. Eine Einflussnahme auf die langfristig erstellten Fahrpläne der Reedereien hält nicht nur sie für wünschenswert.

Zuvor hatte Christoph Gluck von der Agentur Baltimar, die für HC Roewer Schiffe betreut, eine Übersicht über den Kreuzfahrtmarkt gegeben und gezeigt, wie der heimische Standort im Wettbewerb bestehen kann. Weltweit sind gegenwärtig 425 Kreuzfahrtschiffe in Fahrt. Der Markt sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. In den nächsten Jahren kommen zig neue Schiffe hinzu, die bereits im Bau sind beziehungsweise geordert wurden. Die Schiffe werden größer, die Tonnage hat sich in den vergangenen Jahren vervierfacht. Die Neptun-Werft leistet als Zulieferer der Meyer Werft dafür einen Beitrag. Die heimischen MV Werften wollen mit der Global Class die größten Riesen liefern – erklärtermaßen für den chinesischen Markt.

Die Häfen stellen sich mit Investitionen auf die wachsenden Anforderungen ein. In Warnemünde mit dem Ausbau des Terminals am Liegeplatz 8 in den nächsten zwei Jahren und langfristig mit einem weiteren Terminal auf der anderen Seite des Hafenbeckens. Mit 206 Anläufen zählt Rostock-Warnemünde bereits nach Kopenhagen (345 Anläufe) zu den am stärksten frequentierten Ostsee-Kreuzfahrthäfen.

Kopenhagen sei gut vernetzt, erklärt Christoph Gluck und verweist auf das ergebnisreiche Zusammenwirken mit Malmö und Visby. Insgesamt sei das Zusammenwirken in der Cruise Baltic Association, der 29 Häfen angehören, noch besser zu nutzen. Robert Schläfke (Sartori & Berger) berichtet von Erfahrungen seiner Maklerei, die die meisten Kreuzliner am Standort zu betreuen hat. Ein wichtiges Anlaufziel ist für die Touristen St. Petersburg. Sollte das aus politischen Gründen künftig ausfallen, würde das im Ostseerouting zu Einbrüchen kommen. Besonders Amerikaner würden das missen, wissen die Dienstleister.

Von Zuständigkeiten bei Havarien ist die Rede, wozu Frank Borrmann von Baltic Marine Consult hartnäckig nachfragt. Natürlich spielen auch in dieser Runde einmal mehr die Umweltprobleme eine Rolle, die die Kreuzliner noch bereiten. „Herr Ruhnke, verbieten Sie das Tuten“, wird so der Hafenkapitän aufgefordert. Andere wiederum lieben das besondere Flair bei der Verabschiedung der Schiffe. Wie heißt es doch in einer Spruchweisheit: Wat den een sin Uhl, is den annern sin Nachtigall.