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Stadtmitte Top-Ruine: Sanierung bis 2014

Von Torben Hinz | 20.09.2012, 08:32 Uhr

Maximal zwei Jahre hätte Polier Sven Peters dem Hornschen Hof noch gegeben.

"Dann wäre alles wie ein Kartenhaus zusammengefallen", sagt er. Mit seinen Männern arbeitet Peters derzeit daran, das historische Denkmal von 1612 für Investor Fred Muhsal wieder auf Vordermann zu bringen. Spätestens Anfang 2014 sollen vor allem Studenten einziehen. "Es ist eins von meinen schwierigen Projekten", sagt Muhsal. Er habe mit weniger Kosten gerechnet. Die Anforderungen der Denkmalschützer machen das Vorhaben kompliziert.

Und die Zeit drängt: "Wenn das neue Dach vor dem Winter nicht drauf ist, bricht alles zusammen", so Muhsal. Dafür muss allerdings erst der alte, schwammbefallene Dachstuhl abgenommen und am Boden ausgebessert werden. "Was genau gemacht werden muss, sehen wir erst, wenn er runter ist", sagt Zimmermeister Ronny Metzner. Das entscheide dann der Holzgutachter. Schwere Technik komme kaum zum Einsatz, Handarbeit ist gefragt.

Im Keller und den darüberliegenden Geschossen haben die Arbeiter bereits sieben Sattelzüge neuer Holzbalken eingezogen. "Die alten waren total verfault", sagt Peters. Einige Exemplare haben den langen Verfall des Hauses dennoch überstanden und bleiben erhalten. Sie müssen aber für den Brandfall fit gemacht werden und bekommen Feuer schutzplatten.

Die größte Herausforderung aber bleibt der Denkmalschutz. So verwenden die Maurer beispielsweise die alten Ziegel weiter. Für kaputte Exemplare haben sie sich Ersatz beschafft. Wegen der ungewöhnlichen Maße gestaltete sich dies schwierig - fündig wurden sie in Polen.

Besonderen Wert legen die Denkmalschützer auf den Erhalt des Stucks im Südflügel. Er ist derzeit der Arbeitsbereich von Wolfram Vormelker. Der Restaurator nimmt eine Notkonservierung des Reliefs vor. "Die Wand ist den Denkmalschützern heilig", sagt er. Ihm verlangt sie sein ganzes Können ab, da sie aus Lehm mit aufgesetztem Kalkstuck besteht. "Eigentlich sind beide inkompatibel", sagt Vormelker. Lehm sei wesentlich weicher als Kalk. In mühevoller Kleinarbeit muss er die Materialien verkleben. "Erst mal geht es um die Sicherung - wie der Stuck später in die Gestaltung eingebunden wird, ist noch nicht ganz raus", sagt Vormelker.