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Graal-Müritz Toter Buckelwal geborgen

Von tohi | 10.06.2018, 20:45 Uhr

Experten des Meeresmuseums sezieren verendetes Jungtier. Verhungern gilt als mögliche Todesursache des Vier-Tonnen-Kolosses.

Rettungsschwimmer haben am Sonnabend einen verendeten Buckelwal gesichtet, der vor Graal-Müritz in der Ostsee trieb. Unter den Augen zahlreicher Schaulustiger zogen sie und Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr das rund vier Tonnen schwere und 8,65 Meter lange Tier unter Zuhilfenahme schweren Geräts an Land. Dafür schleppten sie den bereits leicht verwesten Kadaver zunächst mit einem Boot ein paar Hundert Meter entfernt von der Seebrücke an den Strand und setzten dann eine Seilwinde, Traktoren und Einsatzfahrzeuge ein. Während der Aktion wurde der Strandabschnitt abgesperrt.

Im Anschluss daran brachten Mitglieder des Technischen Hilfswerks Stralsund den Wal mit einem Lastwagen zur näheren Untersuchung in das Stralsunder Nautineum auf dem Kleinen Dänholm. Dort sezierten ihn gestern Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseums, um der Todesursache auf die Spur zu kommen. Ihren Erkenntnissen zufolge handelt es sich um ein verirrtes Jungtier, das schon seit rund einer Woche tot im Wasser getrieben habe, erklärte Museumsdirektor und Walforscher Harald Benke. Anders als bei vielen sonstigen Totfunden sei der Kadaver nicht besonders aufgegast gewesen.

Woran der etwa zehn Monate alte Wal genau gestorben sei, konnten er und seine Kollegen zunächst aber noch nicht sicher bestimmen. Sie hoffen auf mehr Erkenntnisse durch Untersuchungen des Mageninhalts und weitere Probenahmen. Denn als eine mögliche Ursache kommt Verhungern in Betracht – das junge Weibchen sei schlecht ernährt gewesen. Es könnte sich bei der Nahrungssuche verschwommen und dann den Rückweg nicht mehr gefunden haben.

Normalerweise leben Buckelwale in großen Ozeanen wie Atlantik oder Pazifik. „Es kommt aber immer wieder vor, dass einzelne Exemplare bis nach Rügen schwimmen und sich dort mit Hering vollfressen“, so Timo Moritz von der Stiftung Deutsches Meeresmuseum. Diese Besucher nennen die Wissenschaftler „Irrgäste“. In der Regel fänden die schlauen Buckelwale aber den Weg über die Nordsee zurück in ihre heimatlichen Gefilde zwischen Arktis und Karibik.