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Ein Artikel der Redaktion NNN

Neue Sicherheitsverordnung Traditionssegler könnten bald an den Auflagen scheitern

Von Anja Engel | 13.08.2018, 20:45 Uhr

Die neue Sicherheitsverordnung verunsichert deutsche Schiffsbetreiber: Fragen zur Umsetzung und Finanzierung sind weiterhin offen

Die Zukunft der Traditionsschiffe scheint ungewiss, denn die neue Sicherheitsverordnung von 2018 wirft viele Fragen bei den Betreibern auf.

Die neue Verordnung legt unter anderem Vorgaben für die bauliche Beschaffenheit, den Brandschutz, die Ausrüstung mit Rettungsmitteln und die Ausbildung für Crewmitglieder fest. Die Betreiber, meist Vereine, stellt das vor große Herausforderungen. So müssen viele Umbauten und Nachrüstungen vorgenommen werden, die hohe Kosten verursachen.

Zunächst war vorgesehen, dass der Bund rund 20 Millionen aus einem Fördertopf für alle baulichen Maßnahmen bereitstellt. Nun soll davon  laut dem stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Dachverbandes für Traditionsschiffe, Nikolaus Kern, keine Rede mehr sein. Nach seinen Informationen, seien für 2018 und 2019  nur jeweils eine Million Euro vorgesehen. Zudem  würden jetzt nur 70 Prozent der Auslagen erstattet, 30 Prozent müsse der Betreiber selbst aufbringen. „Es sind 200 000 Euro pro Betreiber vorgesehen und die Förderung soll auf fünf Jahre verteilt werden.

Wie aber genau die Förderung erfolgen soll, wird sich erst im Herbst entscheiden“, erklärt Kern, der hier auf jeden Fall noch Klärungsbedarf sieht.  Auch die Schiffsbetreiber möchten nun bald Gewissheit haben, inwieweit die Verordnung auf sie zutrifft und wie die Förderung vorgenommen werden soll. Lutz Buche ist Besitzer der „Albin Köbis“ aus Kiel. Sein Schiff fällt mit seinen 23,80 Metern unter die Verordnung. Der Kapitän ist allerdings skeptisch.

„Unser Dachverband hat bei den Verhandlungen kräftig mitgewirbelt und gewiss auch seine eigenen Interessen vertreten. Für mich passt vieles nicht zusammen und ist widersprüchlich. So will man einen individuellen Schiffsbetrieb, aber eine professionelle Crew. Doch welcher Ehrenamtler macht das?“, sagt Buche. Auch wie die Förderung genau auf die Schiffe kommt, ist noch unklar. „Wir wissen noch gar nicht, was auf uns zukommt, denn die Verordnung ist sehr missverständlich. Wir haben nun viele Pflichten, aber wenige Rechte“, so Buche.

Allerdings gibt es Punkte, die der Seemann befürwortet. „Wir haben einen Stabilitätsnachweis für 8000 Euro gemacht, den ich auch sinnvoll finde.  Es geht um die Stabilität des Schiffes und Segeltauglichkeit. Wir haben das privat finanziert. Ich hoffe nun, dass uns diese Verordnung nicht kaputt macht“, so Buche.   Holger Bellgardt, Chef der Hanse Sail, weiß um die Sorgen, aber er sieht in der Verordnung ein verbindliches Dokument, dass klare Regelungen getroffen hat.

Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) betont, dass auch die Stadt, die solche Veranstaltungen anbietet, und das Land mit in der Verantwortung sind. „Wir müssen die Schiffe wahren, indem wir finanzielle Unterstützung anbieten, aber wir übernehmen auch die 100-prozentige Pflicht, Sicherheit zu gewährleisten“, so Methling.

Kommentar der Autorin: Sklaven der Bürokratie
Anstatt Klarheit und Einheitlichkeit zu schaffen, verursachen Verordnungen und Richtlinien oft mehr Unsicherheiten. Es scheint, als wolle man sich mittels einer umfassenden Bürokratie zu allen Seiten rechtlich absichern, aber  wir machen uns damit zu Sklaven unserer eigenen  Doktrin. Das hat in jüngster Zeit auch die neue Datenschutz-Grundverordnung eindrücklich gezeigt. Einerseits war eine einheitliche Regelung gewollt, doch nun weiß eigentlich keiner mehr so recht, in welchen Bereichen sie nun wirklich Anwendung  findet und in welchem Umfang. Sowohl die Bevölkerung als auch die Behörden sind überfordert und letztlich werden dann doch wieder Ausnahmen die Regel sein. Gewiss brauchen wir Regelungen aber bitte mit Augenmaß und für jeden nachvollziehbar.