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Trotz Kritik Madsen verteidigt Corona-Tests bei Centogene in Rostock

Von Katrin Zimmer | 26.03.2020, 16:29 Uhr

Die unzertifizierten Abstriche im Biotech-Unternehmen sind umstritten. Der Oberbürgermeister plädiert für weitere.

Gelungene Vorsorgemaßnahme oder Ressourcenverschwendung? 2000 prophylaktische Corona-Tests hatte Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) am Wochenende bei der Biotechnologie-Firma Centogene machen lassen. Unnötig, sagen Kritiker. Mit einer emotionalen Ansprache vor dem Hauptausschuss der Bürgerschaft am Donnerstag hat er ihnen den Wind aus den Segeln genommen. Es könne nicht genug getestet werden, sagte das Stadtoberhaupt.

"Wir benötigen ein vernünftiges Screening und valide Daten", sagte Madsen. Er sei überzeugt, dass in Kürze andere Städte nachziehen und vermehrt testen werden. Er betonte, dass Rostock keine Kosten entstanden seien. Das Unternehmen habe angeboten, Personen zu untersuchen, die systemrelevante Berufe ausüben. Alle 2000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Feuerwehr, Polizei und Pflegekräfte hätten sich freiwillig testen lassen, unterstrich Madsen.

Rostocker Forscher und Politiker zweifeln an Tests

In der Sitzung am Donnerstag hatten Mitglieder des Hauptausschusses Sinn und Erfolg der Abstriche hinterfragt, darunter Eva-Maria Kröger (Linke) und Daniel Peters (CDU). Zuletzt hatte sich am Mittwoch Prof. Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universitätsmedizin Rostock, skeptisch zu den Tests bei Centogene geäußert.

Das Problem: Sie sind nicht vom Robert-Koch-Institut (RKI) zertifiziert. Zudem seien sie nicht geeignet, um die Erkrankung gesichert auszuschließen, sondern nur um das Virus im Verdachtsfall nachzuweisen.

Weiterlesen: Rostocker Mediziner kritisiert Tests bei Centogene

„Man sollte nicht nur darauf setzen, von Herstellern zugelassene und meist teure Testkits geliefert zu bekommen, denn die sind derzeit weltweit äußerst knapp.“
Prof. Arndt Rolfs, Geschäftsführer Centogene

Centogene-Geschäftsführer Prof. Arndt Rolfs entgegnete: "Wir sollten akkreditierten und zertifizierten Laboren – in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden – die Möglichkeit geben, selbst aus den Kernkomponenten heraus entwickelte Covid-19-Tests zu validieren und anzubieten."

Entscheidung musste fallen

Auch Madsen plädierte weiter für die prophylaktischen Tests – ob vom RKI zertifiziert oder nicht. Jedes Land habe seine eigene Strategie, so auch jedes Institut. Er habe als Rostocks Oberbürgermeister entschieden, ergreife jeden Strohhalm und jede Maßnahme.

Angeordnet hatte Madsen die Untersuchungen nach eigener Aussage infolge eines eindringlichen Appells von RKI-Präsident Lothar Wieler vor gut zehn Tagen. "Vier von fünf Menschen, die das Virus in sich tragen, haben keine Symptome und können weiter Menschen anstecken. Das ist unsere große Angst", sagte der Oberbürgermeister am Donnerstag.

Centogene will flächendeckend testen

Für die Firma Centogene sollen die Tests in Rostock als "Blaupause für ein deutschlandweites Verfahren" dienen, wie das Unternehmen bereits am Mittwoch mitteilte. Centogene wolle künftig bis zu 20.000 Tests pro Tag machen. So sollen klinische Daten für die Prognose und Therapie von Patienten genutzt werden, heißt es.

Bis Donnerstagnachmittag hatten sich 261 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahlen meldeten das Gesundheitsministerium und das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS). Seit Mittwoch kamen demnach 16 neue Infektionen hinzu.

In Rostock sind derzeit 38 Fälle bekannt. Die meisten gibt es mit 47 Erkrankten in der Landeshauptstadt Schwerin und mit 41 im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Todesfälle gab es wegen des Coronavirus in MV bisher nicht.

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