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Rostock Über das Leben als Single wider Willen

Von CLLA | 01.05.2018, 21:00 Uhr

Journalist Michalis Pantelouris schreibt Briefe an eine „Liebe zukünftige Lieblingsfrau“ und liest am Donnerstag aus seinem gleichnamigen Buch in der Rostocker Stadtbibliothek.

Zehn Jahre glückliches Ehe- und Familienleben – das glaubte Michalis Pantelouris zu haben. Bis ihn plötzlich seine Frau verließ. Wie es ihm nach der unerwarteten Trennung erging, welche Ängste aber auch Hoffnungen ihn umtrieben, darüber schrieb der 43-jährige Journalist in Briefen an eine „Liebe zukünftige Lieblingsfrau“, die erst als Online-Kolumne erschienen und dann zu einem Buch wurden. Über seine Gefühle als Neu-Single, Fanpost und Beziehungstipps sprach NNN-Redakteurin Claudia Labude-Gericke mit dem Hamburger Halb-Griechen, der morgen in der Stadtbibliothek zu Gast ist.

Was waren die Kolumnen für Sie – Therapie oder Kontaktanzeige?Pantelouris: Sie hätten als beides funktioniert. Genutzt habe ich sie tatsächlich als Therapie. Aber ich habe dadurch auch wirklich sehr viele Zuschriften bekommen.
Unter der Fanpost waren ja auch Heiratsanträge. Wie ist es, sich einmal fühlen zu können wie Teeniestar Justin Bieber?
Ich bin sehr froh, dass es mir erst mit Anfang 40 passiert ist – ich glaube, in Justin Biebers Alter wäre ich dadurch verrückt geworden. Man muss sehr gut aufpassen, dass man das Kompliment zwar annimmt, es dann aber auf seine Arbeit und nicht auf sich bezieht. Denn die Absender kennen mich ja nicht als Mensch, sondern die Texte. Auch wenn die sehr wahr sind: Ich bin ja mehr als der Inhalt dieser Briefe. Aber natürlich ist das fürs Ego total gut, das Gefühl zu bekommen, ein attraktiver Mann zu sein – und das in einer Phase, in der ich mich irgendwie gedemütigt und auf mehrfachen Ebenen impotent fühlte... mit Schreibblockade, allein mit dem Haushalt, aller zwei Wochen alleinerziehend mit zwei Töchtern und mit der finanziellen Belastung einer Scheidung.

Gibt es die Briefe tatsächlich – mit Tränen- und Zigarettenascheflecken?
Nicht auf Briefpapier, aber handschriftlich im Notizbuch. Wenn es darum geht, Gedanken zu sortieren zum Nachdenken, ist das Schreiben mit der Hand für mich tatsächlich wichtig. Weil es immer hilft, wenn man nicht einfach nur sitzt und auf den Bildschirm starrt, sondern die Dinge tatsächlich mit den Händen begreift.

Ist die zukünftige Lieblingsfrau schon gefunden?Die Trennung ist ja jetzt zwei Jahre her und ich kriege den Alltag gut auf die Reihe. Aber ich würde jetzt natürlich, selbst wenn es sie gäbe, keine Frau so in die Öffentlichkeit stellen und sagen, „Das ist sie!“ – alleine schon, um sie zu beschützen.

Haben Sie denn morgen vor oder nach der Lesung auch Zeit für die Rostocker Damenwelt?Ich muss am nächsten Tag wieder arbeiten und fahre deshalb abends zurück. Also höchstens ein bisschen ...

Was erwartet die Leser im Buch?Es ist quasi die Geschichte hinter den Kolumnen und ein bisschen wie eine Autobiografie des ersten Jahres nach dieser Explosion, die es für mich war. Ich hoffe, es ist gut geworden. Was ich weiß, ist, dass es sehr ehrlich ist und ich ein bisschen stolz darauf bin.

Wird es in der Konsequenz dann auch mal ein Pärchen-Buch geben?Ich komme ja aus einer gescheiterten Ehe und weiß nicht, ob ich dadurch die große Kompetenz gewonnen habe. Auch wenn ich in der intensiven Beschäftigung hinterher ein paar Dinge verstanden habe, warum etwas schief gegangen ist. Das Wichtige in einer Beziehung ist aber, glaube ich, dass man lernt, nicht die Fehler beim anderen zu suchen. Wenn man sein Glück davon abhängig macht, dass der andere sich ändert, dann hat man schon verloren.

Michalis Pantelouris liest am Donnerstag ab 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek, Kröpeliner Straße 82, aus seinem Buch.