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Rostock Vater und Sohn als Retter der Konfitüre

Von Claudia Labude-Gericke | 30.05.2013, 12:05 Uhr

Werner Deharde ist neuerdings in mehrfacher Hinsicht in Rostock verankert.

Erstens hat der Chef der Lausitzer Früchteverarbeitung GmbH zum Stichtag 1. Juni die Rokoma-Konfitüren-Manufaktur von der insolventen Elro-Gruppe übernommen. "Und ich habe mein Boot in Rostock liegen. Da schlafe ich drauf, während ich in der Anfangszeit hier im Werk als Ansprechpartner vor Ort bin", so Deharde. Einen Bezug zum Norden gebe es aber nicht erst seit der Firmenübernahme. Schließlich stammt die Familie, deren Firma in Sohland an der Spree im Landkreis Bautzen sitzt, ursprünglich aus Bremen. Gestern besuchte der 62-Jährige zusammen mit Sohn Maximilian, ebenfalls Mitglied der Geschäftsführung, die Produktionsstätte am Stadtrand von Rostock. Vater und Sohn wollten unter anderem die Mitarbeiter kennenlernen, die sie weiterhin beschäftigen werden.

In der Produktionshalle, wo sonst pro Schicht 26 000 Gläser und 20 000 Becher Marmelade vom Band rollen, stand gestern alles still. Vor dem Start der Lausitzer bei Rokoma wurde noch eine Inventur gemacht. Ab 3. Juni gibt es Rokoma dann nicht mehr als Firmenname. Im Konfitüren-Regal ändert sich aber nichts, denn der Markenname bleibt erhalten. Und die Qualität. "Die wissen sogar Kunden außerhalb Deutschlands zu schätzen", sagt Deharde junior. Deshalb gäbe es auch Expansionspläne, unter anderem zu einem Kunden nach Malaysia, der früher bereits Rokoma importierte, aber durch die Insolvenz abgesprungen sei. Auch neue Sorten wären vorstellbar. "Vielleicht Orangen-Feigen-Konfitüre oder ein Quittengelee", sagt der 32-jährige Junior-Chef, dem selbst Kirsche am besten schmeckt.

Im ersten Halbjahr sind 20 Prozent Steigerung angepeilt

Alles, was zur Marke passt, sei vorstellbar. An der bisherigen Produktpalette werde festgehalten - und auch an den Obstlieferanten. Die Kirschen kommen aus Serbien, die Erdbeeren aus Polen, Aprikosen aus Griechenland. Der Preis für die Konfitüre wird sich aber verändern, "den Marktgegebenheiten angepasst", wie Werner Deharde es formuliert. Mit 99 Cent pro Glas sei Rokoma momentan genauso teuer, wie die Konfitüre eines großen Discounters. Mit denen sei ein Preiskampf aber nicht durchzuhalten. Und Rokoma sei schließlich gerade erst aus der Insolvenz übernommen worden. Die wirtschaftlichen Ziele sind klar definiert. Erst sollen die Umsätze aus Zeiten vor der Insolvenz - gut fünf Millionen Gläser pro Jahr - wieder erreicht und dann ausgebaut werden. "Im ersten Halbjahr wollen wir Menge und Umsatz um 20 Prozent steigern", gibt der 32-Jährige die Richtung vor. Er ist zuversichtlich, diese Zahlen zu erreichen. Denn die Rokoma-Qualität soll künftig auch unter dem Namen der Lausitzer in der Mitte und im Süden der Republik verkauft werden.